Importstopp soll eigene Produktion ankurbeln

Doch der Owino-Markt ist nur eine Station von vielen, bis ein bereits in Europa getragenes T-Shirt letztlich in Ostafrika wieder einen finalen Träger findet. Nambuga verkauft die Kleidungsstücke weiter an ihre Stammkundinnen: meist Frauen, die irgendwo entlang der Straße Boutiquen haben, wo letztlich eine Kundin das Kleid kauft: "Sie kommen von überall her, aus den entferntesten Dörfern Ugandas, aber auch aus Ruanda, dem Südsudan oder dem Ostkongo", sagt Nambuga. Die junge Frau hat an Ugandas Universität Beschaffungswirtschaft studiert und findet: "Der Handel mit Gebrauchtkleidern ist ein richtig gutes Geschäft und schafft jede Menge Arbeitsplätze". Zudem seien gebrauchte Kleidungsstücke billig, die können sich auch arme Familien in Afrika leisten. Umgerechnet zwei bis drei Euro verlangt sie für ein T-Shirt, "damit die armen Kinder nicht nackt herumlaufen", sagt sie.

Das soll sich nun bald ändern. Die Staatschefs der Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC), deren Mitglied Uganda ist, haben im vergangenen Jahr beschlossen, den Import von gebrauchten Textilien, Schuhen und Lederwaren spätestens bis 2019 nach und nach auslaufen zu lassen. Bis dahin erhöhen nun EAC-Staaten wie Ruanda, Uganda und Tansania, die sich von diesem Importstopp viel versprechen, jedes Jahr die Importsteuer. Ziel sei es, den regionalen Textilsektor wiederzubeleben und damit nicht nur die Wirtschaft anzukurbeln, sondern vor allem Arbeitsplätze zu schaffen, erklärt Ugandas Handelsministerin Amelia Kyambadde. "Während wir schrittweise die Steuern auf gebrauchte Textilien erhöhen, laden wir gleichzeitig Investoren ein und ermutigen ugandische Unternehmen, in die Textilverarbeitung zu investieren, denn wir haben wirklich enormes Potenzial", so Kyambadde.

Die Ministerin war im Sommer 2016 mit Ugandas Präsident Yoweri Museveni zum deutsch-afrikanischen Wirtschaftsforum nach Berlin gereist. Dort ermutigte er in seiner Rede vor Unternehmern deutsche Mittelständler, in Ugandas Textilsektor zu investieren und vor allem Maschinen zu liefern. Immerhin sei Uganda Ostafrikas größter Baumwollproduzent.

Präsident Museveni gab den deutschen Unternehmern gleichzeitig Geschichtsunterricht: Bereits zu Kolonialzeiten, genauer seit 1903, ließen die britischen Kolonialherren in Uganda Baumwolle anpflanzen, die dann im Nachbarland Kenia gesponnen und verwebt und anschließend nach Liverpool, den größten Hafen in England, verschifft wurde. Von dort aus ging es weiter nach Manchester, dem damaligen Herzen der englischen Textilindustrie. Von 1930 an investierten Inder, die ursprünglich von den Briten zum Bau der Eisenbahn nach Ostafrika geholt worden waren, in erste Spinnereien in Uganda. Bis weit nach der Unabhängigkeit 1962 boomte die Baumwollverarbeitung. Doch während der Zeit von Diktator Idi Amin, der 1972 die Inder des Landes verwies, kollabierte die Wirtschaft - und mit ihr der Textilsektor. Seitdem gab es lange nur noch drei Spinnereien im Land, die hauptsächlich Uniformen für Schüler, Polizisten und Soldaten fertigten. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, Ugandas Baumwolle wurde zum Großteil unverarbeitet nach Asien exportiert, um in Bangladesch oder Thailand verwoben zu werden. In Zukunft, so Musevenis Industrialisierungsplan, soll die Verarbeitung wieder nach Uganda zurückgeholt werden.