Aber wäre nicht gerade auch ein solcher Wandel, wenn man ihn in globalem Maßstab organisiert, zwangsläufig autoritär?

Ein demokratischer Wandel ist im Prinzip möglich. Das geht aber nur, wenn große Teile der Bevölkerung sich dafür engagieren, etwa so wie beim Atomausstieg in Deutschland. Alle sozialen Errungenschaften, die seit der Französischen Revolution in Europa errungen worden sind, sind durch die Zivilgesellschaft, durch soziale Bewegungen organisiert worden. Ohne eine starke Bewegung von unten wird die Politik diesen Wandel, den wir brauchen, nicht hinbekommen.

Für diesen Wandel gibt es aber jede Menge Hindernisse. So wollen beispielsweise Länder, die das Trauma des Kommunismus hinter sich haben, und selbst formal noch kommunistische Länder wie China vor allem eines: endlich Wohlstand, etwa so wie wir in den 1950er Jahren. Man will nicht noch einmal eine Reise in ein ungewisses Utopistan antreten, dessen Versprechen nie eintreffen.

Deshalb benutze ich auch Begriffe wie Kommunismus nicht. Die historischen Erfahrungen dieser Länder sind ungeheuer wichtig, ein autoritärer Staatssozialismus kann nicht die Lösung sein. Was wir brauchen, ist eine demokratische Revolution, die das System von unten her umbaut. Sie hatten China angesprochen, ein interessantes Beispiel. China ist autoritär organisiert, und ich kritisiere die Regierung auch, was die Menschenrechtslage betrifft. Aber es gibt auch positive Entwicklungen. China investiert sehr stark in erneuerbare Energien, hundert Milliarden Euro jedes Jahr - das ist doppelt so viel wie die gesamte EU. Dieser sehr starke Umbruch wird auch von der Bevölkerung eingefordert und angetrieben. Immer wieder finden Proteste wegen Umweltproblemen statt, und die Regierung muss darauf reagieren.

Und was passiert, wenn die Menschen Ihren Wandel nicht wollen und ihn - ganz demokratisch über Wahlen zum Beispiel - ablehnen? Wenn sie weiter Auto fahren und sich nicht allzu sehr einschränken wollen? Würden Sie das akzeptieren, oder gibt es dann nicht doch den Punkt, an dem die Leute, die sich berufen sehen, die Welt zu retten, Zwangsmittel anwenden wollen - um des höheren Zieles willen?

Demokratie im Weltmaßstab würde heißen, dass die einen nicht auf Kosten der anderen wirtschaften dürfen. Das bedeutet nicht unbedingt eine Weltregierung, sondern universale soziale Rechte, die auch das Recht auf eine halbwegs intakte Biosphäre beinhalten. Es steht wirklich viel auf dem Spiel. Durch den Klimawandel könnten Millionen Menschen sterben oder fliehen müssen. Bangladesch würde beispielsweise ein Drittel seiner Landfläche einbüßen. Wo sollen die dort lebenden Menschen hin? Meiner Ansicht nach bräuchten wir dann eine Erweiterung der Völkerrechtsarchitektur. Klimaflüchtlinge müssten ein Recht auf Asyl bekommen.