Beim Weltwirtschaftforum im Schweizer Nobelskiort Davos, das Trump in diesem Jahr zum ersten Mal besucht, lag sogar ein Hauch von Währungskrieg in der Luft. So hatte US-Finanzminister Steve Mnuchin unmittelbar vor Trumps Ankunft am Donnerstag in einer ganzen Reihe von Kommentaren eine mögliche Abkehr von der traditionellen US-Regierungspraxis angedeutet, die eigene Währung nicht schlechtzureden. "Offensichtlich ist ein schwächerer Dollar gut für uns", sagte der frühere Wall-Street-Banker bei seinem Auftritt in Davos. "Es ist gut, weil es mit Handel und Chancen zu tun hat."

Mnuchins Äußerungen wurden an den Märkten aufmerksam registriert. Bereits unmittelbar nach dem Auftritt des US-Finanzministers, der von vielen Beobachtern als Startsignal für die Schwächung der US-Währung gesehen wurde, gab der Dollar spürbar nach. Mnuchins Aussage macht den Dollar "anfällig und verteidigungslos", sagte Analyst Stephen Innes vom Finanzmarktspezialisten Oanda. Das öffne die Schleusen für eine "massive" Verkaufswelle.

Draghi hält sich bedeckt

Bei seiner Pressekonferenz nach der EZB-Zinssitzung bemühte sich Draghi am Donnerstag dementsprechend, jede Aussage zu vermeiden, die den Euro noch weiter steigen lassen könnte. "Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten", erklärte der EZB-Präsident, der auch keinen Hinweis auf ein mögliches Ende der milliardenschweren Anleihenkaufprogramms lieferte. Draghi hielt lediglich fest, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben würden. Deutlich machte der Italiener allerdings, dass ihn der starke Kursanstieg des Euro umtreibt. "Die jüngsten Wechselkursschwankungen stellen eine Quelle der Unsicherheit dar", betonte Draghi.

Ökonomen in Deutschland kritisierten abermals die EZB: "Die Kluft zwischen der guten wirtschaftlichen Lage der Euro-Zone und der immer noch sehr vorsichtigen Tonlage der EZB wächst", sagte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. Bei den Anleihenkäufen verlagerten sich die Gewichte hin zu den EU-Mitgliedstaaten mit hohen Schulden. Damit stiegen die Risiken für die EZB. Für Deutschland ist die Nullzins-Politik nach Auffassung vieler Volkswirte unangemessen. Denn die Wirtschaft in der Bundesrepublik steuert heuer bereits auf ihr neuntes Wachstumsjahr in Folge zu.