"Manisch-depressiver Irrsinn"

Dieses Versagen habe zur Folge, dass "nichts aus der Krise gelernt wurde, weil nichts gelernt werden konnte". Die wahren Gründe für die Misere seien nicht erkennbar, weil diese Gründe im herrschenden Denken nicht vorkämen. Die Theorien seien also gleichsam "blind", erklärte Schulmeister. So brächten die Märkte "systematisch falsche Preise" hervor, dem Auf und Ab im Finanzsystem konzedierte Schulmeister "manisch-depressives Irresein".

Das bestehende System wollte Hanno Lorenz vom Thinktank "Agenda Austria" nicht in Bausch und Bogen verwerfen. Aber auch für ihn wurden in der Folge der Finanzkrise vor allem die Symptome bekämpft, nicht die Ursachen. Er führte ins Treffen, dass die Allgemeinheit die Pleite-Banken retten, die Solidargemeinschaft bluten musste, anstatt die "Profiteure zur Kasse zu bitten". Am Umgang mit dem bankrotten Griechenland stört ihn vor allem, dass die Hilfe "von außen aufgezwungen" worden sei.

Den profunden Pessimismus seiner Mitdiskutanten wollte er aber nicht nachvollziehen. Lorenz wies auf die gute wirtschaftliche Entwicklung, die "Problem-Staaten" wie etwa Irland, Spanien und Portugal in den letzten Jahren unternommen hätten und den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in der Eurozone (siehe Artikel unten) hin. Zur Krise sei es auch deshalb gekommen, weil "sinnvolle Fiskalregeln" nicht eingehalten worden wären.

Das wollte Michalitsch so nicht stehen lassen. Immerhin habe Griechenland nach der Umsetzung der Troika-Vorgaben mehr Staatsschulden als zuvor. Die Rechte der Arbeitnehmer seien massiv beschnitten worden. Hart erkämpfte, fundamentale Rechte der Arbeitnehmer würden eingeschränkt.

"Kein Marx, kein Keynes"

Die Politologin sieht ein massives Problem auch darin, dass an den wirtschaftswissenschaftlichen Universitäten abseits des Mainstreams kaum noch Theorie-Geschichte gelehrt werde: "Kein Marx, kein Keynes". Das habe zur Folge, dass die herrschende Lehre für die Studenten "naturgesetzhafte" Formen annehme.

Schulmeister begegnete Lorenz’ Argumentation damit, dass das staatliche Spargebot der EU für Spanien und Portugal stillschweigend außer Kraft gesetzt worden wäre und nur Griechenland, gleichsam als Sündenbock, "schikaniert" werde. Die beiden Länder hätten sich also deshalb erholt, weil sie die Fiskalregeln der EU nicht einhalten würden.

Eine massive Fehlentwicklung ist für Schulmeister, dass "die Märkte von Werkzeugen zu Subjekten" geworden seien. Dass die Märkte "machen" oder "bestrafen" würden, heiße nur, dass sich die Menschen den anonymen Kräften des Marktes unterworfen hätten - so wie es die neoliberalen Theoretiker predigen. Denen Schulmeister angesichts ihres durchschlagenden Erfolgs am Montagabend Respekt zollte.

Wobei diese Denkgebäude laut Schulmeister eine fatale Richtung vorgeben, denn: "Der Kapitalismus als Finanzkapitalimus hat sich immer selbst zerstört - und er wird es auch diesmal tun." Und Michalitsch meint, dass nach dem nächsten Crash eine weitere Welle des Rechtsextremismus über Europa schwappen werde.