Washington. Das Weihnachtsgeschäft verlief für eBay hervorragend. Im vierten Quartal kletterte der operative Gewinn der US-Auktionsplattform von 390 auf 620 Millionen Dollar. Ähnlich stark sind laut der am Donnerstag vorgelegten Quartalsbilanz auch die Umsatzzahlen, hier gab es einen Anstieg von 3 auf 3,7 Milliarden Dollar. Unter dem Strich ist eBay mit einem Minus von 2,6 Milliarden Dollar aber dennoch tief in die roten Zahlen gerutscht.

Ein Schicksal, das eBay unter anderem mit Microsoft teilt. Auch das größte Softwareunternehmen der Welt hat im vierten Quartal trotz deutlicher Steigerungen bei Umsatz und operativem Gewinn ein Minus von 6,3 Milliarden Dollar in den Bilanzen stehen. Im Quartal davor hatte Microsoft noch einen Gesamtgewinn in ähnlicher Höhe ausgewiesen.

Dass eBay und Microsoft trotz der positiven Geschäftsentwicklung Milliardenverluste schreiben, hat vor allem mit der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zu tun. Der umfassendeste Umbau des Abgabensystems seit der Ära von Ronald Reagan gilt zwar gemeinhin als ausgesprochen unternehmensfreundlich, schließlich sinkt die Körperschaftssteuer, die mit 35 Prozent zuvor deutlich höher war als in anderen Staaten, auf 21 Prozent. Doch zunächst einmal lässt Trumps "Tax Cuts and Jobs Act" viele Konzerne kräftig bluten.

Besonders betroffen sind dabei Unternehmen wie Apple, Cisco, General Electric oder eben Microsoft und Facebook. Sie alle haben in den vergangenen Jahren enorm viel Geld - Schätzungen wie die der Finanzagentur Bloomberg sprechen von 3,1 Billionen Dollar - im Ausland gehortet, um es vor dem US-Fiskus zu schützen. Denn bis vor kurzem mussten US-Firmen auf zurücküberwiesene Auslandsgewinne oft mehr als 40 Prozent an Steuern zahlen, da zu der Bundesabgabe in Höhe von 35 Prozent noch die Steuer des jeweiligen Bundesstaates in Höhe von 5 Prozent oder mehr hinzukamen.

Banken mit Verlusten

Mit der ganz im Zeichen von "America First" stehenden Steuerreform des US-Präsidenten sind die Spiegelregeln aber geändert worden. Der Satz, mit dem die geparkten Auslandsvermögen nun einmalig versteuert werden müssen, ist mit 15,5 Prozent zwar deutlich niedriger als früher, aber gleichzeitig wird den Unternehmen auch keine Wahl gelassen. Denn auch wenn sie das Geld nicht in die Vereinigten Staaten zurückholen, sondern weiter in Niedrigsteuerländern wie etwa Irland lassen, müssen sie die 15,5 Prozent an das US-Finanzministerium abführen.

Doch es sind nicht nur die milliardenschweren Rückstellungen für die Versteuerung der Auslandsgewinne, die dafür sorgen, dass in den Vereinigten Staaten derzeit eine Gewinnwarnung auf die nächste folgt. So haben viele große US-Banken in der Finanzkrise milliardenschwere Verlust erlitten, die sie aber über Jahre hinweg geltend machen konnten, um die Steuerlast zu senken. Mit der niedrigeren Körperschaftssteuer sinkt der Wert dieser Verlustvorträge aber nun und das reißt tiefe Löcher in die Bilanzen der Institute. So musste allein die am stärksten betroffene Citigroup im vierten Quartal 19 Milliarden Dollar in diesem Zusammenhang abschreiben. Verluste durch die Steuerreform in Milliardenhöhe mussten ebenso MorganStanley, JPMorgan und die Bank of America hinnehmen.

Von massiven Wertberichtigungen sind aber nicht nur die Banken betroffen. Auch General Motors, der größte Autobauer der USA, musste infolge des "Tax Cuts and Jobs Act" im vierten Quartal knapp sieben Milliarden Dollar abschreiben.

US-Geschäft bringt Vorteile

Viele Analysten gehen allerdings davon aus, dass die augenblicklichen Verluste schon bald vergessen sein werden. Denn langfristig werden auch die Banken und General Motors so wie die anderen Konzerne von den niedrigeren Steuern in den USA profitieren, wobei der Effekt umso größer sein dürfte, je stärker das US-Engagement ist. So dürfte das Ergebnis der Bank of America, die rund 90 Prozent ihrer Erträge in ihrem Heimatland erwirtschaftet, im Jahr 2019 um 19 Prozent steigen. Die Citigroup, die nur 50 Prozent ihres Geldes in den USA verdient, dürfte nach Einschätzung der Analysten von Keefe, Bruyette & Woods hingen nur um elf Prozent zulegen.

Doch selbst bei stark im Ausland engagierten Unternehmen dürften die momentanen Schmerzen bald vergessen sein. Zwar erreichen die Einmalzahlungen für die Rückholung der Auslandsvermögen wie im Fall von Apple oft schwindelerregende Höhen. Doch im Vergleich zu den früher fällig gewesenen Beträgen sind die 38 Milliarden Dollar, die der iPhone-Konzern nun dem Vernehmen nach zahlen muss, wohl dennoch ein gutes Geschäft.