• vom 07.02.2018, 17:36 Uhr

International

Update: 07.02.2018, 17:57 Uhr

Wirtschaftsmacht Indien

Indiens Köpfler in die Digitalisierung




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Von Eva Stanzl

  • Indien sieht sich als neue Wirtschaftssupermacht, doch für viele Menschen bleibt die Lebensqualität hinter den Wachstumsraten.

Reges Treiben im Zentrum von New Delhi.

Reges Treiben im Zentrum von New Delhi.© Eva Stanzl Reges Treiben im Zentrum von New Delhi.© Eva Stanzl

Karikaturisten prägen das Bewusstsein von Nationen. R. K. Laxman, der fast 50 Jahre lang die "Times of India" illustriert hat, galt sogar als Gewissen seines Landes. In einer Zeichnung sitzen ein paar Bettler auf einem schmuddeligen Gehsteigrand. Einer liest eine Zeitung mit dem Titel "Die Wirtschaft" und ruft aus: "Großartig! Wir haben enorme Fortschritte gemacht bei Wachstum, Industrie und Exporten! Alles besser als unser elendiges Dasein von früher!"

Laxmans Karikatur findet sich in einem Buch von Arun Maira aus 2004, könnte jedoch aktueller nicht sein, betont der Elder Statesman Indiens diese Woche in der Wirtschaftszeitung "The Mint": Nichts hat sich geändert - hohe Wachstumsraten, bittere Armut: "Wir leben in einem der ungleichsten Länder der Welt."


Auf der einen Seite sieht Indien sich selbst als neue Wirtschafts-Supermacht und ist auch auf dem Weg dorthin. Märkte und Exportwirtschaft brummen, tausende Menschen ziehen vom Land in die Stadt, um zu arbeiten. Die Bauwirtschaft boomt, 300 Millionen der 1,3 Milliarden Einwohner telefonieren bereits mit Smartphones, das Glasfasernetz wird ausgebaut. Selbst wer um zwei Uhr Früh am Flughafen von Delhi ins Taxi steigt, kann sich der Euphorie des Landes schwer entziehen. Denn der Lenker ist ein Mann, der noch vor 100 Jahren überhaupt keine Chance gehabt hätte, seiner Kaste zu entfliehen und dem Schicksal der Unberührbaren zu entgehen. Heute ist er ein Unternehmer, der seinen Wagen steuert. Und er ist ein Beispiel dafür, dass sich der Subkontinent entgegen vielen Prognosen in Richtung Modernität entwickelt.

Optimismus, das Glas als
halb voll zu sehen

Indien hat das beherzigt, was einer seiner größten Denker, Swami Vivekananda, so formulierte: Die Europäer sagen gerne, wir gehen von größeren zu kleineren Fehlern. Ich sage euch: Wir gehen von kleineren Wahrheiten zu größeren Wahrheiten. Dieser Optimismus, das Glas als halb voll zu sehen, macht den Subkontinent im Wesentlichen aus. Hunderte Millionen Menschen sehen die Chance, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, indem sie durch Unternehmergeist und Improvisationsvermögen die sich ihnen durch den Wirtschaftsboom bietenden Möglichkeiten nutzen.

Das Wirtschaftswachstum lag 2017 bei 7,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Treiber waren Raffinerieprodukte, Stahl, Zement, Generika und Informationstechnologien (IT). Im Jänner verankerte Premier Narendra Modi bei den Wirtschaftsgesprächen in Davos ein globales Indien, das auf den Säulen Reform, technischer Fortschritt, Infrastruktur, Inklusion und reibungslosen Geschäftsabläufen ruhe. Unterstützend wirken eine Tradition in den Dienstleistungen und die englische Sprache. Bereits jetzt lebt ein Drittel der Einwohner in Städten. 2030 sollen es 600 Millionen sein. Zum Vergleich: Die Europäische Union zählt 511 Millionen Menschen. In zwölf Jahren sollen Metropolen wie die Hauptstadt New Delhi (25 Millionen Einwohner) Mumbai oder Bangalore zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.

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Dokument erstellt am 2018-02-07 17:41:18
Letzte Änderung am 2018-02-07 17:57:23


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