Washington. (reu/dpa/apa/da) "Ich bin dem Präsidenten dankbar für diese Möglichkeit und wünsche ihm und seiner Regierung großen Erfolg in der Zukunft", verlautbarte Gary Cohn zum Abschied. Öffentliche Kritik verkniff sich der Chef-Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump bei seiner Demission in der Nacht auf Mittwoch - es ist der zweite prominente Abgang binnen einer Woche, als Kommunikationschefin Hope Hicks den Hut nahm. Cohn nannte zwar keinen Grund für seinen Abschied nach etwas mehr als einem Jahr. Aus Präsidialamtskreisen hieß es allerdings, sein verlorener Kampf gegen Trumps Zoll-Pläne sei einer von mehreren Gründen gewesen.

Beim Kommen und Gehen im Weißen Haus seit Trumps Amtsantritt kann man leicht den Überblick verlieren. Viele Personen gerieten schnell in Vergessenheit, sofern ihr Abgang überhaupt Aufmerksamkeit erregte. Anders bei Cohn: Der frühere Investmentbanker bei Goldman Sachs galt als Bollwerk gegen das protektionistische Lager in der Administration. So soll er maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Trump China nicht offiziell als Währungsmanipulator brandmarkte und auf eine Aufkündigung des Freihandelsabkommens Nafta mit Mexiko und Kanada zugunsten von Neuverhandlungen verzichtete. Cohn gilt auch als Architekt von Trumps Steuerreform.

Bis zu 150.000 Jobs wackeln

Mehr als jeder andere im Weißen Haus habe der 57-Jährige über Glaubwürdigkeit an den Märkten verfügt, sagt Analyst Ian Katz von der Finanzfirma Capital Alpha Partners. "Jetzt, wo er raus ist, fragt man sich, wer diesen Umhang übernimmt." Monica de Bolle vom Peterson Institute for International Economics, sagt: "Die wirtschaftlichen Nationalistinnen scheinen die Oberhand zu gewinnen." Befürworter der "America First"-Linie Trumps stehen Gegnern einer zu großen Abschottung der USA gegenüber. Zu letztgenannten zählt Handelsberater Peter Navarro, der als möglicher Nachfolger Cohns gehandelt wird (siehe Porträt).

Der "New York Times" zufolge drohte Cohn bereits mit seinem Rücktritt, sollten tatsächlich harte und umfangreiche Maßnahmen eingeführt werden. Dennoch setzten sich Navarro und Handelsminister Wilbur Ross durch, die eine härtere Gangart befürworten.

Im Gespräch sind 25 Prozent Zoll auf weltweit alle Stahlimporte, 10 Prozent auf alle Aluminiumimporte. Trump will bis zum Ende der Woche Details nennen. Laut Moody’s Analytics könnten bis zu 15.000 Stellen bei Stahl- und Aluminiumherstellern entstehen, in anderen Branchen aber bis zu 60.000 Arbeitsplätze wegfallen, selbst wenn es nicht zu Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten komme. Sollten die US-Handelspartner mit einer "verhältnismäßigen Antwort" reagieren, wackeln bis zu 150.000 Jobs.