• vom 13.03.2018, 17:59 Uhr

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USA

US-Präsident stoppt Übernahme des Chipkonzerns Qualcomm




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  • Trump untersagt das Gebot von Broadcom aus Singapur wegen Gefährdung "nationaler Sicherheit".

Washington. (dpa) Der bisher teuerste Übernahmeversuch in der Tech-Industrie ist von Donald Trump torpediert worden. Der US-Präsident untersagte das mehr als 140 Milliarden Dollar schwere Gebot des Chipkonzerns Broadcom aus Singapur für den US-Konkurrenten Qualcomm. Ein solcher Deal könne der nationalen Sicherheit der USA schaden, sagte Trump zur Begründung.

Qualcomm wehrt sich gegen den feindlichen Übernahmeversuch - und das macht den Vorstoß Trumps so ungewöhnlich: US-Präsidenten griffen sonst erst ein, wenn ein Deal stand. Vor einigen Tagen leitete die Behörde zur Überwachung von Auslandsinvestitionen bereits eine Untersuchung ein und ließ Qualcomm eine entscheidende Aktionärssitzung verschieben.


Broadcom ist derzeit in Singapur registriert und unterhält in Kalifornien ein zweites Hauptquartier. Der Konzern, eigentlich Netzwerk-Spezialist, hieß früher Avago Technologies und hatte sich 2016 nach der Übernahme der Broadcom Corp. in Broadcom Ltd. umbenannt. Der Konzern ist dabei, den Unternehmenssitz in die USA zu verlegen, um die Übernahme zu vereinfachen.

Angst vor China?
Trumps Anordnung ist so formuliert, dass Broadcom auch danach der Kauf von Qualcomm untersagt bliebe. Zunächst gab es keine Angaben dazu, ob Broadcom das Verbot anfechten könnte. Die Firma erklärte lediglich, man werde die Anordnung prüfen.

Qualcomm produziert Funkchips, die in Telefonen für die Verbindung sorgen sowie Haupt-Prozessoren diverser Smartphones mit dem Betriebssystem Android. Das Unternehmen arbeitet auch im Auftrag von US-Behörden - was als Begründung für die Sorgen um nationale Sicherheit dienen kann. Broadcom hatte zuletzt zugesichert, keine sicherheitsrelevanten Teile von Qualcomm an ausländische Unternehmen zu verkaufen, und stellte eine Investition von 1,5 Milliarden Dollar in den USA in Aussicht. Das reichte nicht, um die Behörden umzustimmen. Laut Medienberichten sehen sie Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China und sind besorgt darüber.

Zuletzt zeichnete sich zugleich ab, dass es den USA bei dem Deal auch um die Mobilfunk-Zukunft mit der nächsten superschnellen Datenfunk-Generation 5G gehen könnte. Qualcomm ist ein führender Entwickler der Technologie in Amerika und im Westen insgesamt. Broadcom hatte bereits signalisiert, dass die Firma nicht besonders an der Fortführung von Qualcomms 5G-Aktivitäten interessiert sei. Die Sorge in Washington ist, dass mit einer Schwächung dieser Forschung chinesische Player wie der Netzwerkausrüster und Smartphone-Anbieter Huawei die Oberhand bei 5G bekommen könnten. Besonders US-Militär und Sicherheitsbehörden ist nicht wohl bei der Aussicht, auf Netzwerktechnik aus China angewiesen zu sein. Huawei wird in den USA gerade als Sicherheitsrisiko angesehen, während das Unternehmen jegliche Verstrickungen mit chinesischen Geheimdiensten zurückweist.

Broadcom hatte für Qualcomm in der Spitze 121 Milliarden Dollar geboten, plus die Übernahme von Schulden in Höhe von 25 Milliarden. Dann wurde die Bewertung um vier Milliarden gekürzt, nachdem Qualcomm seinerseits das eigene Übernahmeangebot für den europäischen Chipspezialisten NXP hochschraubte. NXP ist stark bei NFC-Funkchips, die zum Beispiel in Zugangs- oder Bankkarten verwendet werden, sowie bei Technik für vernetzte Autos.

Auch in Europa war die Politik nach Angaben aus Branchenkreisen nicht besonders glücklich über die Aussicht darauf, dass NXP als Teil von Qualcomm an Broadcom fallen könnte. Broadcom-Chef Hock Tan hatte mehrfach betont, dass er keinen Wert in NXP sehe. Deshalb wurde befürchtet, NXP als ein wichtiger Lieferant von Chips für sicherheitsrelevante Anwendungen, könne danach zum Verkauf stehen und in unwillkommene Hände geraten.

Der Umzug des Broadcom-Firmensitzes in die USA soll Anfang April abgeschlossen werden. Gemäß Trumps Anordnung soll die verschobene Hauptversammlung von Qualcomm, bei der Broadcom versuchen wollte, sich von Aktionären die Mehrheit im Verwaltungsrat geben zu lassen, nun in zehn Tagen nachgeholt werden.




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Dokument erstellt am 2018-03-13 18:03:43


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