Berlin/Washington. Angesichts des Streits um die US-Zollpläne hat sich das Münchener Ifo-Institut für allgemeine Zollsenkungen im transatlantischen Handel ausgesprochen. "Die EU ist keineswegs das Paradies für Freihändler, für das sie sich gern hält. Das gilt insbesondere im Vergleich mit den USA", erklärte der Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Gabriel Felbermayr.

Der ungewichtete Durchschnittszoll der EU liege bei 5,2 Prozent, jener der USA bei 3,5 Prozent. "Diese Durchschnitte verbergen hohe Zollspitzen in vielen Branchen", sagte der Wirtschaftsforscher. Insofern liege US-Präsident Donald Trump zumindest punktuell nicht ganz falsch, wenn er über "massive Zölle" auf US-Produkte klage. Gleichzeitig gebe es - wenn auch in kleinerem Ausmaß – diese Klage auch für die Handelshürden der USA. Felbermayr forderte daher Verhandlungen über einen allgemeinen Zollabbau.

Als Beispiele nannte der Ifo-Experte EU-Zölle auf US-Motorräder von sechs Prozent, auf Autos von zehn Prozent und auf Weintrauben von 20 Prozent. Demgegenüber seien die Zölle der USA im Durchschnitt zwar niedriger, doch gebe es in den USA bei einigen Produkten auch Zollspitzen. Insgesamt wurden Exporte der USA in die EU im Jahr 2015 mit 5,7 Milliarden US-Dollar Zoll belastet, während die viel größeren Exporte der EU in die USA zu Zollzahlungen von rund 7,1 Milliarden Dollar im Jahr führten.

Wunsch nach TTIP

EU-Ratspräsident Donald Tusk und Vertreter der deutschen Wirtschaft hatten in jüngster Zeit dafür plädiert, die auf Eis liegenden Verhandlungen über ein transatlantisches Feihandelsabkommen TTIP wieder aufzunehmen. Das würde die Möglichkeit bieten, die Zölle auf beiden Seiten weitgehend abzubauen. Der US-Präsident hatte vor wenigen Tagen Importzölle auf Aluminium und Stahl angekündigt, auf die die EU notfalls mit Gegenmaßnahmen reagieren will. Zudem will Trump schärfer gegen Importe aus China vorgehen.