• vom 17.03.2018, 13:00 Uhr

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Update: 17.03.2018, 18:41 Uhr

Wirtschaft

Im Permafrost gefangen




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Von Gerhard Lechner

  • Russlands Wirtschaft wächst maximal ein bis zwei Prozent pro Jahr - ein niedriger Wert für ein Schwellenland.

Stahlproduktion im russischen Nischni Nowgorod. - © APAweb, afp, Vasily Maximov

Stahlproduktion im russischen Nischni Nowgorod. © APAweb, afp, Vasily Maximov



Moskau/Wien. Nikita Chruschtschow und Boris Jelzin liegen mit ihren vergleichsweise bescheidenen neun Jahren an der Macht lange schon hinter ihm. Zu Josef Stalin, dem schrecklichen Umgestalter Russlands, fehlen ihm noch elf Jahre. Der rücksichtslose Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin kam ohnehin nur auf etwas mehr als sechs Jahre an der Macht. Und Leonid Breschnew, der Langzeitherrscher der Sowjetunion, das Symbol des Stillstands, des "Frosts" nach der Tauwetterperiode unter Nikita Chruschtschow? Ihn wird Wladimir Putin am Sonntag hinter sich lassen: Dann, wenn er zum vierten Mal zum russischen Präsidenten gewählt werden wird. Breschnew bestimmte über 18 Jahre das Schicksal der Sowjetunion - Putin wird diese Marke, rechnet man seine Zeit als einflussreicher Premierminister unter Präsident Dmitri Medwedew von 2008 bis 2012 dazu, mit seiner vierten Amtszeit überschreiten.

Seit dem Jahr 2000 lenkt der vorher relativ unbekannte Ex-Chef des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB mittlerweile die Geschicke in Russland - und das, obwohl noch 1999 geglaubt wurde, der anfangs still und schüchtern wirkende kleine Mann werde nur ein weiterer in der langen Kette von Boris Jelzins Kurzzeit-Premiers werden. In dem Riesenreich ist Putin im Gegensatz zu seinen Vorgängern Jelzin und dem letzten Sowjetführer Michail Gorbatschow jedenfalls populär: Ihm wird zugutegehalten, dass er das Chaos der räuberischen 1990er Jahre gebändigt hat, dass er wieder Ordnung, Sicherheit und Stabilität nach Russland gebracht hat. Geholfen haben ihm dabei aber auch die äußeren Umstände - mit hohen Öl- und Gaspreisen im Rücken hatte Putin im Gegensatz zu Jelzin deutlich mehr Handlungsspielraum für seine Politik der Wiedergewinnung russischer Stärke.


Laut westlichen Analytikern blieb dabei allerdings viel auf der Strecke: Die Struktur der russischen Wirtschaft erinnert immer noch an den Ausspruch des
deutschen Ex-Kanzlers Helmut Schmidt, der über das Sowjetreich als "Obervolta (heute: Burkina Faso) mit Raketen" sprach. Bis heute ist die russische Wirtschaft kaum diversifiziert und in starker Weise abhängig von Energieexporten. Ihre Aufs und Abs korrelieren mehr oder weniger mit den Preisen für Öl und Gas. Das Investitionsklima könnte besser sein, und dies nicht zuletzt deshalb, weil trotz der Rückkehr zu halbwegs normalen Lebensverhältnissen in der Amtszeit Putins die Korruption immer noch ein Riesenproblem darstellt.

Russland schottet sich ab
In dieser Lage sieht die Zukunft des Landes trotz aller Betonung nationaler Stärke nicht allzu rosig aus: "Die Analysten, auch die russischen, erwarten in den nächsten Jahren mittelfristig maximal ein Wachstum von bis zu zwei Prozent pro Jahr", sagt Peter Havlik, Russland-Experte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, der "Wiener Zeitung" - für eine Schwellenökonomie wie die russische ist das ein sehr geringer Wert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-16 18:14:55
Letzte Änderung am 2018-03-17 18:41:42


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