Aber manche afrikanische Staaten, etwa Äthiopien, Ruanda, Senegal oder Cote d’Ivoire sind ja bereits Erfolgsgeschichten und haben über Jahre hinweg hohe Wachstumsraten erzielt.

Dort hat man auch erkannt, dass die Investitionen lokaler Unternehmer zunehmen müssen und man daher für sie Anreize schaffen muss. Diese Länder haben daher nicht nur ausländische Direktinvestitionen angezogen, sondern auch die lokale Industrie gefördert. Sie haben diese in regionale und globale Wertschöpfungsketten eingebracht. Sie haben steuerliche Anreize gegeben, und sie haben ein Konzept von Unternehmensförderung, das berufliche Ausbildungen integriert.

Wie nachhaltig ist dieser Aufschwung?

Bei diesen Ländern gibt es - bei allen Problemen, die sie noch haben - Anlass zu Optimismus, dass sie einen gewissen Sprung schaffen. Wie nachhaltig dieser ist, hängt auch von globalen Entwicklungen ab. Viele Investoren, die einfache Konsumgüter produzieren, bei denen die Arbeitskraft noch eine gewisse Rolle spielt, verlagern derzeit ihre Produktion - weil in einstigen Billiglohnländern wie China die Gehälter gestiegen sind. Ob davon Afrika profitiert, das wird sich weisen. Äthiopien etwa ist derzeit ein Gewinner dieser Entwicklung, weil indische, chinesische oder auch europäische Unternehmen wie H&M dort investieren. Damit das ein langfristiger Trend wird, braucht es meines Erachtens nach aber auch ein wettbewerbsfähiges afrikanisches Unternehmertum, das die eigene Industrialisierung voranbringt.

Andere afrikanische Länder wie Liberia oder Sierra Leone hinken innerhalb des Kontinents hinterher. Haben wir es mit einem Afrika der zwei Geschwindigkeiten zu tun?

Ja. Wenn Länder die notwendigen Maßnahmen nicht ergreifen, bekommen sie große Probleme. Staaten wie Liberia oder Sierra Leone haben aber auch so kleine Märkte, dass es sich für ausländische Investoren außerhalb des Rohstoffsektors nicht zu investieren lohnt. Zudem waren diese Märkte bisher zu sehr abgeschottet von den Nachbarländern. Aber hier will die Afrikanische Union ja nun eine Freihandelszone schaffen.

In Europa ist ja von einem Marshallplan für Afrika die Rede, Deutschland hat hier auch schon erste Schritte gesetzt. Wie viel kann der bewirken?

Die EU kann durch einen Marshallplan mit Afrika viel erreichen. Meines Erachtens nach muss die EU aber ihren Beitrag neu definieren. So muss der Handel Europas mit Afrika fairer werden. Wenn Europa, und das hat die EU bei Verhandlungen lange gefordert, freien Zugang zu den afrikanischen Märkten verlangt, dann hat dieser Verdrängungswettbewerb durch europäische Unternehmen viele negative Folgen für Afrika. Darüber hinaus braucht es strategische Kooperationen, Technologietransfer und eine Bildungsoffensive. Hier nur ein Beispiel: China hat 70.000 afrikanische Studenten in die Volksrepublik geholt und strategisch in langfristige Netzwerke investiert. Dadurch gibt es künftig gut ausgebildete Afrikaner, die die chinesische Sprache können und Kontakte zu chinesischen Unternehmen haben. Auch Europa braucht solche Bildungsoffensiven, die gewährleisten, dass europäische Interessen gewahrt bleiben, von der aber gleichzeitig auch die Afrikaner profitieren.