Und profitieren könnten sie vor allem dadurch, wenn sie sich stärker in die Globalisierung integrieren?

Diese Integration muss aber mit Schutzmaßnahmen einhergehen. Wer sich vollständig dem globalen Markt ausliefert, verliert unglaublich viele Arbeitsplätze. Das war ja auch das chinesische Modell: China hat sich erst geschützt und die Reformen intern vorangebracht. Auch Afrika benötigt zunächst Unterstützung und Schutz beim eigenen Industrieaufbau. Zudem ist der Ausbau der Freihandelszonen innerhalb Afrikas ein Schritt, um Märkte zu vergrößern und lokales Unternehmertum aufzubauen.

Ein Hintergedanke von Europa ist ja auch, durch Aktionen wie den Marshallplan die Einwanderung aus Afrika einzudämmen. Geht diese Gleichung auf, dass mehr Wohlstand weniger Auswanderung bedeutet? Studien sagen ja, dass höherer Wohlstand den Wunsch nach Auswanderung auch fördern kann.

Ja, es gibt diese These. Wir müssen aber auch sehen, dass viele Afrikaner, die nach Europa oder in die USA ausgewandert sind, nicht immer erfolgreich waren. Der Frust darüber ist in den Mittelschichten groß. Man bleibt lieber auf dem Kontinent, wenn es irgendwie geht, weil man sich dort auskennt und seine Netzwerke hat. Migration wird es jedoch immer wieder geben. Ein Einwanderungsgesetz, das gewisse Zahlen festsetzt, wie viele Menschen aufgenommen werden, oder auch universitäre Kooperationen könnten hier viel Luft aus dem Gedanken herausnehmen, dass immer mehr Menschen kommen. Ich denke aber, dass sich die Migration abschwächt - auch aufgrund unserer Politik der Abschottung. Europa nimmt schon weniger Menschen auf, und es sind zuletzt auch weniger Afrikaner nach Europa gekommen.