Washington/Peking. Dass ihm China ein Dorn im Auge ist, hat Donald Trump schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Immer wieder wetterte er gegen unfaire Handelspraktiken, den Diebstahl geistigen Eigentums und das hohe Handelsbilanzdefizit, das die USA mit der Volksrepublik haben. Nach knapp 14 Monate im Amt hat der US-Präsident nun seine damals geäußerten Drohungen konkret werden lassen. Am Donnerstag unterzeichnete Trump ein Dekret, das die Basis dafür legt, milliardenschwere Strafzölle gegen China zu verhängen. Die geplanten Zölle für eine Reihe von chinesischen Produkten beträfen Importe im Wert von bis zu 60 Milliarden Dollar, sagte Trump. Die Maßnahmen würden vor allem Industriesektoren treffen, in denen Peking den "Technologietransfer durch amerikanische Unternehmen erzwingt".

Trump zufolge würde sich das Handelsdefizit mit China durch die angedrohten Maßnahmen sofort um 100 Milliarden US-Dollar reduzieren. Welche chinesischen Produkte im Einzelnen betroffen sind gab das Weiße Haus noch nicht bekannt. Mit dem nun unterzeichneten Memorandum wies der Präsident allerdings seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer an, innerhalb von 15 Tagen eine vorläufige Liste von chinesischen Waren und den darauf anvisierten Zöllen zu veröffentlichen.

Man sei mit China in Verhandlungen, schreite aber in der Zwischenzeit voran, sagte Trump mit Verweis auf die Konsultationsgespräche, die es vor der endgültigen Verhängung der Zölle noch mit China geben soll. Die US-Regierung ist besonders verärgert über die chinesische Praxis, dass ausländische Unternehmen für einen Zugang zum chinesischen Markt dazu verpflichtet sind, Joint-Ventures mit chinesischen Firmen einzugehen und mit ihnen ihr technologisches Know-how zu teilen. Trumps Handelsberater Peter Navarro sagte vor Journalisten, die Maßnahmen würden den immensen Schaden kompensieren, den China in den USA durch den Diebstahl geistigen Eigentums angerichtet habe. Die USA verteidigten sich damit strategisch gegen Chinas wirtschaftlich aggressives Verhalten. "Wenn wir China erlauben, im Prinzip alle Schlüsselindustrien der Zukunft zu erbeuten, dann haben wir keine Zukunft", sagte Navarro. Man spreche seit dem Jahr 2003 mit China. "Seither haben sie im Prinzip unsere Technologie völlig ausgeraubt."

China warnt vor Protektionismus

Die Volksrepublik, die auch schon von den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium betroffen ist, die am Freitag in Kraft treten, hatte zuvor eindringlich vor den Folgen eines Handelskriegs gewarnt. Die parteinahe Tageszeitung "China Daily" forderte am Donnerstag den Rest der Welt dazu auf, sich Washington entgegenzustellen. "Da die Vereinigten Staaten ihren Kurs nicht zu korrigieren scheinen, sollten andere Länder aufhören zu hoffen, dass ihnen protektionistische Schüsse erspart bleiben", schrieb die Zeitung. Die Geschichte habe gezeigt, dass "Nadelstiche des Protektionismus" letztendlich zu den "Schüssen eines Krieges" führen können.

Beobachter halten es für möglich, dass China als Antwort auf US-Strafen Zölle auf US-Agrarprodukte wie Sojabohnen verhängen könnte. Davon wären vor allem Landwirte betroffen, von denen viele als Trump-Unterstützer gelten. Auch könnten die Chinesen den US-Flugzeugbauer Boeing ins Visier nehmen und künftig mehr Aufträge an den europäischen Konkurrenten Airbus vergeben.

An den Börsen hat der möglicherweise drohende Handelskrieg zu teils herben Verlusten geführt. In New York bröckelte der Dow Jones etwa um 724,42 Einheiten oder 2,93 Prozent auf 23.957,89 Zähler ab. Es war der schwächste Tag für den US-Leitindex seit dem 8. Februar.