• vom 24.03.2018, 09:00 Uhr

International

Update: 27.03.2018, 13:20 Uhr

Neuer EZB-Chef

Ein großer europäischer Kuhhandel








Von Ronald Schönhuber

  • Mario Draghis Nachfolger als EZB-Chef könnte Jens Weidmann werden. Wie werden die anderen EU-Spitzenjobs besetzt?

- © WZ-Illustration: Fotomaterial: reuters/Ralph Orlowski

© WZ-Illustration: Fotomaterial: reuters/Ralph Orlowski

Anleihenkäufe blähen Bilanzsummen der Zentralbank auf.

Anleihenkäufe blähen Bilanzsummen der Zentralbank auf.© APA, Deutsche Bundesbank, ecb, WZ-Grafik Anleihenkäufe blähen Bilanzsummen der Zentralbank auf.© APA, Deutsche Bundesbank, ecb, WZ-Grafik

Frankfurt/Wien. Im Sommer 2012 stand alles auf der Kippe. Investoren spekulierten damals auf ein Ende des Euro und trieben damit die Zinsen für Staatsanleihen in den ohnehin schon schwer angeschlagenen europäischen Krisenländer noch weiter in die Höhe. In der Folge schafften es mit Spanien und Italien gleich zwei zentrale Euro-Staaten nicht mehr, die Investoren zu überzeugen, ihnen zu vertretbaren Konditionen Geld zu borgen. Der Euro schien sturmreif geschossen, überall kursierten Notfallpläne, mit denen die Folgen des totalen Kollaps der Gemeinschaftswährung so gut wie eben möglich gedämpft werden sollten.

Dass es dann doch nicht so weit gekommen ist, ist vor allem auch einem Mann zu verdanken. Mit der Ankündigung, die Europäische Zentralbank (EZB) werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu retten, kaufte Mario Draghi den Spekulanten in der Stunde die Schneid ab. Zurückgezuckt sind die Märkte damals aber nicht nur angesichts der enormen finanziellen Feuerkraft der zweitgrößten Notenbank der Welt. Der seit 2011 an der Spitze der EZB stehende Italiener vermittelte auch jene bedingungslose Entschlossenheit im Kampf für die gemeinsame Währung, die den Politikern zu dieser Zeit abging.


Vieles spricht für Deutschland

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Entschlossenheit werden mit Sicherheit auch jene Bewerber brauchen, die dem "Euro-Retter" Draghi nach dessen Ausscheiden im Oktober 2019 nachfolgen wollen. Nicht sicher ist hingegen, ob der künftige EZB-Präsident auch den von Niedrigzinsen und umstrittenen Anleihenkäufen geprägten geldpolitischen Kurs seines Vorgängers fortsetzen wird. Denn das große EZB-Personalkarussell hat sich eben erst zu drehen begonnen. Und neben dem Präsidentenposten sind noch viele andere Spitzenjobs wie etwa der des Chefvolkswirts zu vergeben, deren Besetzung unmittelbare Auswirkung bei der Entscheidung für das höchste Amt hat.

Rein formal spricht vieles dafür, dass der künftige EZB-Chef aus Deutschland kommt. Vor Draghis Amtszeit standen mit Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet ein Niederländer und ein Franzose an der Spitze der Bank. Deutschland, die stärkste Volkswirtschaft Europas, war in der Vergangenheit dagegen leer ausgegangen und wäre damit jetzt gewissermaßen an der Reihe, das wohl mächtigste Amt der europäischen Finanzwelt zu beschicken.

Kompetent, aber umstritten
In den vergangenen Wochen sind zudem schon zwei wichtige Entscheidungen gefallen, die einen aus Deutschland stammenden EZB-Chef wahrscheinlicher werden lassen. So haben die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag den Spanier Luis de Guindos endgültig als neuen EZB-Vizepräsidenten abgesegnet, nachdem Irland seinen Kandidaten Philip Lane schon zuvor zurückgezogen hatte. Anfang Dezember war zudem mit dem Portugiesen Mario Centeno ein weiterer Südeuropäer neuer Chef der Euro-Gruppe geworden. Gemäß der stets fein austarierten europäischen Machtarithmetik wären damit die nördlichen Länder am Zug, wenn es darum geht, den EZB-Präsidenten zu stellen.

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Dokument erstellt am 2018-03-23 18:39:00
Letzte Änderung am 2018-03-27 13:20:48


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