Washington. (reu) Bei einem der größten Hacker-Angriffe der Geschichte haben Unbekannte Daten von rund 150 Millionen Nutzern der Fitness-App MyFitnessPal des US-Sportausrüsters Under Armour erbeutet. Unter anderem seien Nutzernamen, E-Mail-Adressen und Passwörter gestohlen worden, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Daten von Kreditkarten sowie Nummern von Sozialversicherungen und Führerscheinen, mit denen in den USA leicht Identitätsbetrug begangen werden kann, seien nicht abgegriffen worden.

Under Armour ließ offen, wie die Täter in das Netzwerk des Unternehmens eindringen konnten und warum sie dabei nicht erwischt wurden. Die Nutzer der Kalorienzähler-App wurden aufgefordert, umgehend ihr Passwort zu ändern.

Der Angriff sei bereits im Februar erfolgt, das Unternehmen habe aber erst diese Woche davon Kenntnis erhalten. Die Nutzer seien mit einer Verzögerung von vier Tagen informiert worden. "Wir halten weiter Ausschau nach verdächtigen Aktivitäten und arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen", erklärte der Nike-Rivale. Man kooperiere auch mit Daten-Spezialisten.

Kritik an Sicherheitsstandards

Nach Angaben der auf Cyber-Sicherheit spezialisierten US-Firma SecurityScorecard ist es der umfangreichste Daten-Missbrauch in diesem Jahr. Wesentlich größere Ausmaße hatte beispielsweise ein Angriff auf das US-Webportal Yahoo, bei dem 2013 drei Milliarden Accounts gehackt wurden. Auch wenn keine Finanzdaten erbeutet werden, können Kriminelle die Vielzahl von E-Mail-Konten leicht zu Geld machen.

Im nachbörslichen US-Handel fielen Under-Armour-Aktien um drei Prozent. Der Konzern hatte die betroffene Tochter MyFitnessPal 2015 für 475 Millionen US-Dollar gekauft.

Hackerangriffe auf Unternehmen und Institutionen stehen schon fast auf der Tagesordnung. Erst am Mittwoch war bekannt
geworden, dass der Luft- und Raumfahrtriese Boeing von einer Cyber-Attacke getroffen wurde. Weder Produktion noch Auslieferung der Flugzeuge seien betroffengewesen, betonte Boeing via Twitter.

An der Börse waren zuletzt auch die Aktien von Facebook unter die Räder gekommen. Das weltgrößte Internet-Netzwerk steht unter massivem Druck von Werbekunden, Investoren und Nutzern, mehr Datenschutz und Transparenz zu gewährleisten. Die britische Firma Cambridge Analytica soll Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern auf mutmaßlich unlautere Art eingesetzt haben, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen.