Wien/Peking. (ast/apa) Es ist der "größte Staatsbesuch der Geschichte Österreichs" - so kündigte die Bundesregierung die China-Visite an, die neben Kanzler Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen auch rund 250 Delegierte, darunter 170 Unternehmer, 30 Wissenschafter und Kulturschaffende, dieses Wochenende antreten.

Am Freitag machten sich Van der Bellen mit Außenministerin Karin Kneissl, Umweltministerin Elisabeth Köstinger, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Infrastrukturminister Norbert Hofer sowie dem Präsident der Wirtschaftskammer (WKÖ), Christoph Leitl, auf den Weg nach Peking, Kanzler Kurz wird Sonntagfrüh erwartet. Bei der Reise, die die Besucher bis nächsten Donnerstag durch die Volksrepublik führt, wird neben Peking das Boao-Wirtschaftsforum in Heinan sowie die Regionalmetropole Chengdu besucht, wo anlässlich der Visite ein Generalkonsulat eröffnet wird. "Der Staatsbesuch soll dem weiteren Ausbau der bilateralen Beziehungen dienen, vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Umwelt", sagte Van der Bellen vor Antritt der Reise.

Mehr Wohlstand, mehr Ski

So könne China beim Umweltschutz oder Städtebau vom österreichischen Know-how profitieren, sagte der Bundespräsident. Die Wirtschaft schielt aber auch auf die Olympischen Spiele 2020 in Peking, wo es eine Nachfrage nach Expertise und Produkten aus Österreich geben könnte. Die wirtschaftlichen Chancen sind großes Reisethema, so betonte auch Kurz, dass China eine "aufstrebende Supermacht" sei und "irrsinniges Potenzial" hätte.

Das Land zählt zu den schnellstwachsenden Volkswirtschaften weltweit und die Mittelschicht wächst ebenso schnell mit. Bis 2020 soll sich das Pro-Kopf-BIP gar gegenüber dem von 2010 verdoppeln. Eine Entwicklung, bei der auch Österreich mitschneiden möchte, erklärte doch Chinas Staatspräsident Xi Jinping etwa, dass der Wintersport nun zum Breitensport im Land werden solle. Mehr Geld, mehr Freizeit - Skifahren. Lifte, Tuninggeräte, Ski, Kleidung "Made in Austria" für 300 Millionen Chinesen.

China ist bereits ein wichtiger Handelspartner Österreichs - der fünftwichtigste, nimmt man die EU-Länder dazu, sagt Martin Glatz, WKÖ-Vertreter in Peking. 2017 habe es ein Plus von fast zwölf Prozent bei den Exporten in das Reich der Mitte gegeben. Insgesamt ist die Volksrepublik der zehntwichtigste Exportmarkt. Traditionell ist Österreich stark im Bereich Maschinen/-teile sowie etwa Elektromotoren und Kraftfahrzeuge.

Auf der anderen Seite stiegen die Importe aus China nach Österreich 2017 um 6,6 Prozent an, Waren im Wert von rund 8,5 Milliarden Euro wurden eingeführt; sie machen damit knapp sechs Prozent der gesamten Importe aus. Aber auch die Investitionen in beide Richtungen nehmen zu.

So kaufen sich laut Glatzer Chinesen vor allem in technologielastige Firmen ein. Im Vorjahr haben sich die österreichischen Direktinvestitionsprojekte in China auf rund 77 Millionen Euro verdoppelt, bei 42 Projekten. Laut der Oesterreichischen Nationalbank machten die Investitionen nach China 3,4 Milliarden Euro aus, nach einem Bericht der Rhodium Group war Österreich damit viertgrößter Investor der EU-28 in China. Aus dem Reich der Mitte flossen 641 Millionen Euro in die Alpenrepublik. Trotz enormer Größenunterschiede der Länder also eine interessante Wirtschaftsbeziehung.