Moskau/Wien. (reu/apa/wak) Wenn die USA Sanktionen gegen Russland verhängen, hat das auch in Österreich Auswirkungen, und zwar ordentliche. Vergangenen Freitag haben die USA Russland wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit weiteren Sanktionen bestraft. Die Maßnahmen des US-Finanzministeriums richten sich gegen sieben Oligarchen und zwölf ihrer Firmen, deren Vermögen in den USA eingefroren werden.

Was diese Sanktionen für Auswirkungen haben könnten, ist den Anlegern erst nach und nach bewusst geworden. Am Montag, dem ersten Handelstag nach der Sanktionsverhängung, flohen die Anleger zuerst in Moskau in Scharen aus russischen Aktien und dem Rubel. Der russische Leitindex RTS brach um mehr als elf Prozent ein. Der Rubel wertete um knapp drei Prozent zum Dollar ab.

Ein wahres "Blutbad" erlebte dabei der Aluminium-Hersteller Rusal: Die Aktien des russischen Branchenriesen fielen am Montag in der Spitze um rund 47 Prozent auf ein Rekordtief von 15,04 Rubel. Unter den von den Sanktionen persönlich adressierten Oligarchen befindet sich Oleg Deripaska, dem Rusal gehört, aber auch der Abgeordnete Suleiman Kerimow, dessen Familie den größten russischen Gold-Produzenten Polyus kontrolliert. Die Polyus-Aktien notierten 1,1 Prozent im Minus. Bereits am Freitag hatten Rusal-Papiere 17,7 und Polyus-Titel 3,1 Prozent verloren.

Die Verbindung zu Deripaska hatte am Montag auch für den größten österreichischen Baukonzern, die Strabag, an der Wiener Börse einen Wertverlust zur Folge. Deripaska hält an der Strabag eine Sperrminorität, der Strabag- Aktienkurs gab um 3,5 Prozent auf 32,70 Euro nach - im Vergleich nachgerade glimpflich.

Raiffeisen Bank International
größter ATX-Verlierer

Richtig schmerzhaft wurde es indes für die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI). Sie fiel um fast 12 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief von 27,12 Euro.

Als Schwergewicht im Topsegment der Wiener Börse hat die RBI am Montag gleich den gesamten Markt nach unten gezogen. Der österreichische Leitindex ATX fiel um 2,4 Prozent auf 3368,93 Punkte und damit deutlich stärker als die meisten anderen europäischen Aktienindizes.

Der Grund für den RBI-Kurssturz war schnell ausgemacht: "Das Russlandgeschäft ist für die Bank einer der Hauptertragsbringer", erklärte ein Börsianer. Eine Raiffeisen-Sprecherin betonte hingegen, die Russland-Sanktionen würden "zum jetzigen Zeitpunkt nur einen minimalen Einfluss" auf die RBI-Gruppe haben.

Neben der RBI erwischte es am Wiener Markt auch die in Russland engagierte OMV hart. Der Aktienkurs des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns rutschte um 4,1 Prozent auf 47,80 Euro ab. Die OMV arbeitet mit dem staatlichen russischen Gasriesen Gazprom unter anderem bei der umstrittenen Nord-Stream-2-Pipeline zusammen.

Die russische Regierung hat den von den neuen US-Sanktionen betroffenen Firmen Hilfen zugesagt, sollte sich deren Lage nun aufgrund der "aktuellen Situation" verschlechtern. Die US-Regierung begründete die Sanktionen mit den "andauernden und immer dreisteren, boshaften Aktivitäten der russischen Regierung". Das russische Außenministerium verurteilte die Strafmaßnahmen als "anti-russischen Angriff" und kündigte eine "harte Antwort" an. Mit den Maßnahmen gegen russische Unternehmen versuche die US-Regierung, "Konkurrenten am Weltmarkt zu eliminieren".