Wolfsburg. (wak/reu) Männlich, deutschsprachig, und um die 60 Jahre alt. So hat der Volkswagen-Aufsichtsrat seine Vorstandschefs am liebsten.

Herbert Diess, Insidern zufolge bald neuer Vorstandschef, erfüllt all diese Voraussetzungen. Der studierte Fahrzeugtechniker ist 59 Jahre alt und in München geboren. Er hält die österreichische Staatsbürgerschaft, hat aber später weder in Österreich studiert noch gearbeitet. Dass Diess erst seit drei Jahren bei Volkswagen ist - davor war er beim Konkurrent BMW für Entwicklung zuständig - stört den Aufsichtsrat augenscheinlich nicht. Mehr noch: Als der Diesel-Skandal bekannt geworden ist, hatte Diess erst drei Monate für VW gearbeitet. Seine Weste dürfte also rein sein.

Ein perfekter Kandidat - da hilft es wenig, dass der noch amtierende Vorstandschef Matthias Müller (64), im März dem Konzern eine Verjüngung in der Vorstandsebene ans Herz gelegt hat. Genauso wie die Erhöhung des Frauenanteils. Von elf Vorstandsämtern wird nur eines (Recht und Integrität) von einer Frau ausgeübt. Das Volkswagen-Spitzenmanagement muss nach Ansicht von Vorstandschef Matthias Müller "weiblicher, jünger und internationaler" werden. "Das ist ein riesiges Problem des Konzerns", sagte er dem "Spiegel". Müller war von den Eigentümer-Familien Porsche und Piech im September 2015 aufs Schild gehoben worden, als der damalige Konzernchef Martin Winterkorn - im Alter von 68 Jahren und im Zuge des Dieselbetrugs - zurücktreten musste. Müllers Vertrag wäre eigentlich noch bis 2020 gelaufen.

Kernmarke VW von Diess ausgemistet und entlüftet

Am Freitag werden die ersten Schritte für das weitere Schicksal des Volkswagen-Konzerns gesetzt. Da entscheidet der Aufsichtsrat von Volkswagen offiziell über die neue Führungsstruktur.

Diess hat in den vergangenen Jahren die Kernmarke VW geführt - eine prestigeträchtige aber verlustbringende Sparte. Er war als Sanierer und Kostensparer angetreten und hat sich heftige Gefechte mit dem Betriebsrat geliefert. Doch alles ist inzwischen vergeben. Betriebsratschef Bernd Osterloh lobte Diess im November mit den Worten: "Der Zukunftspakt ist eine Erfolgsgeschichte." Der "Zukunftspakt" kostet bis zu 23.000 Stellen in der VW-Sparte in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, dazu sollten aber zusätzlich 9000 Zukunftsarbeitsplätze entstehen. Der gehandelte Nachfolger Diess gilt als Verfechter der Elektromobilität.

Neuer Personalverstand Freund von Betriebsrat Osterlohe