Aber es gibt Ausnahmeregelungen. Afrikanische Staaten können weiterhin 20 Prozent ihres Markts schützen.

20 Prozent sind aber ein viel zu kleiner Anteil, der nicht ausreicht. Und wie sollen wir denn jetzt schon wissen, welche Industrien wir später schützen wollen? Denn üblicherweise war es so, dass ein Staat abhängig von den Umständen Zölle senken und heben kann. Aber nun müssen wir uns für ganz bestimmte 20 Prozent entscheiden, und sogar bei diesen beschützen Produkten dürfen wir die Zölle zu einem späteren Zeitpunkt nicht weiter anheben. Oder blicken Sie auf das Glas, das hier vor uns auf dem Tisch steht: Wenn ein afrikanischer Staat eigene Gläser produzieren will, dann muss er diese Industrie zunächst durch Steuern und Zölle schützen, damit sie sich entwickeln kann. Wenn die Industrie dann konkurrenzfähig ist, können diese Schutzmaßnahmen langsam eingeschränkt werden.

Aber bekommen die afrikanischen Staaten nicht diese Zeit? Schließlich können sie ja bestimmte Industrien für einen Übergangszeitraum von 20 Jahren schützen.

20 Jahre sind aber eine sehr kurze Zeit. Fast alle wohlhabenderen Staaten haben sich zunächst hinter protektionistischen Mauern entwickelt. Und das für einen sehr, sehr langen Zeitraum. Europa schützt heute noch seine Landwirtschaft mit Subventionen. Wir sollen nun aber Konditionen, die einen bestimmten Zeitrahmen ganz genau festlegen, akzeptieren.

EPA-Befürworter argumentieren, dass die Abkommen mehr ausländische Direktinvestitionen anziehen werden. Glauben Sie nicht, dass das der Fall sein wird?

Ich sehe hier keinen Zusammenhang. Investitionen waren ja bisher noch nicht Teil der EPA-Gespräche, dieses Thema soll erst in einer späteren Phase verhandelt werden. Außerdem gibt es ohnehin schon genug andere Abkommen, um Investoren anzuziehen. Hier muss sich zudem die Lage in Afrika selbst verbessern: Manche Länder brauchen mehr politische Stabilität, außerdem müssen die Arbeitskräfte besser ausgebildet und muss die Infrastruktur verbessert werden. Aber das hat nichts mit den EPAs zu tun.

Aber wenn die EPA-Verträge für Afrika so schädlich sind, warum unterzeichnen sie dann afrikanische Länder wie etwa Kenia?

Weil die EU Druck ausübt und die EPA-Verhandlungen mit gewissen Bedingungen verknüpft. Das zeigt sich am Beispiel von Kenia: Das Land exportiert viele Blumen. Die EU hat diese mit Einfuhrzöllen belegt, damit Kenia den EPA-Vertrag unterschreibt. Kenia hat deshalb monatelang viel Geld verloren.

Ist der politische Prozess rund um die EPA-Abkommen symptomatisch dafür, wie Europa mit Afrika umgeht?

Ich habe an den Gesprächen teilgenommen, und die EU ist bei den Verhandlungen doch sehr paternalistisch mit Afrika umgegangen. Nach dem Motto: Wir wissen, was gut für euch ist.