Ist der EPA-Prozess auch eine Reaktion darauf, dass China in Afrika immer mehr Fuß fasst?

Ich denke schon. Die EU und China konkurrieren um die afrikanischen Rohstoffe. Aber wenn sich zwei Elefanten streiten, dann wird das Gras zertrampelt.

Ist China ein besserer Handelspartner für Afrika?

Nein. China ist enorm rücksichtlos und aggressiv, geht überall dorthin, wo das Geld ist, selbst in kleine Wirtschaftszweige wie den Einzelhandel. Aber für Afrika sollte die Wahl nicht lauten: entweder Europa oder China oder Indien. Sondern wir sollten uns die Frage stellen, wie wir uns in der globalen Arena mit ihrem harten Wettbewerb positionieren, damit unsere Wirtschaft wächst.

Afrika sollte stärker zusammenwachsen, den Handel innerhalb des Kontinents mehr fördern - hier ist mit der Einigung auf eine afrikanische Freihandelszone zuletzt auch viel geschehen. Zudem sollte Afrika gegenüber anderen Parteien als einheitlicher Block auftreten. Das würde dem Kontinent bei Verhandlungen mehr Macht geben.

Zur Person

Die EPA-Abkommen

Die Economic Partnership Agreements (EPAs) sind Abkommen über Freihandel, die die EU mit afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (den sogenannten AKP-Staaten) bereits abgeschlossen hat oder demnächst abschließen will. Die vertragliche Grundlage der EPA liegt in den Cotonou-Abkommen, die im Jahr 2000 von der EU mit den AKP-Staaten abgeschlossen wurden. EPA soll Cotonou erweitern beziehungsweise modifizieren.

Im Grunde geht es dabei um einen Abbau von Handelshemmnissen, und dass es eine - von der Welthandelsorganisation (WTO) geforderte - stärkere Reziprozität, also Wechselseitigkeit, zwischen beiden Seiten gibt. Nachdem Europa seinen Markt für viele Produkte aus den Entwicklungsländern geöffnet hat, soll dies nun auch umgekehrt stärker der Fall sein. 80 Prozent der Importe aus der EU sollen zollfrei abgewickelt werden. Dafür wird den AKP-Staaten eine Übergangsfrist von 20 Jahren gewährt. 20 Prozent des Import-Volumens können die Länder dauerhaft vor internationalem Wettbewerb schützen. Zudem soll es weitere Ausnahmeregelungen geben, wenn lokale Industrien gefährdet sind. Gleichzeitig besteht die EU darauf, dass die AKP-Staaten in Zukunft keine neuen Ausfuhr- und Schutzzölle verabschieden dürfen. Damit würde sie sich den dauerhaften Zugang zu günstigen Rohstoffen sichern.