• vom 12.04.2018, 18:03 Uhr

International

Update: 12.04.2018, 21:09 Uhr

Volkswagen

Diess wird mit "riesiger Macht" ausgestattet




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  • Der künftige Volkswagen-Konzernchef führt auch die neue Volumengruppe an.

Herbert Diess wurde mit Donnerstag der mit Abstand mächtigste Mann im Volkswagen-Konzern.

Herbert Diess wurde mit Donnerstag der mit Abstand mächtigste Mann im Volkswagen-Konzern.© Reuters/Wilking Herbert Diess wurde mit Donnerstag der mit Abstand mächtigste Mann im Volkswagen-Konzern.© Reuters/Wilking

Wolfsburg. Neuer Chef, neuer Vorstand, neue Struktur: Der VW-Konzern steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Der Aufsichtsrat beschloss am Donnerstag auf seiner Sitzung eine ganze Reihe tief greifender Veränderungen. Neben dem neuen Vorstandschef Herbert Diess, der dem vom Dieselskandal gebeutelten Matthias Müller nachfolgt, wird es weitere Wechsel geben.

Marken in drei Gruppen
Einkaufsvorstand Francisco Garcia Sanz geht, auch Personalchef Karlheinz Blessing wird abgelöst und Porsche-Chef Oliver Blume vom Gaststatus zum ordentlichen Konzernvorstand aufrücken. Der Konzern will außerdem seine zwölf Fahrzeug-Marken in drei Gruppen umsortieren. Herr über den umsatzstärksten Bereich - die Volumenmarken VW, Skoda und Seat - soll der neue mächtige Mann an der Konzernspitze werden. "Diess wird mit riesiger Macht ausgestattet", betonte ein Insider.


Der überraschende Chefwechsel bei Volkswagen hat viele im Konzern kalt erwischt und sorgt für Unmut. So war Insidern zufolge die Arbeitnehmerseite weitgehend nicht eingebunden. "Keiner wusste was. Das ist der helle Wahnsinn, was sich da abspielt", sagte ein Insider. Vor allem die mangelnde Kommunikation des Aufsichtsrats wurde kritisiert. "Das öffnet massiven Spekulationen Tür und Tor."

Bei einer VW-Tochter erfuhren die Betriebsräte von dem bevorstehenden Rückzug des Konzernchefs Matthias Müller und dem Wechsel zum bisherigen VW-Markenchef, zum Österreicher Diess, aus den Medien. "Hier herrscht Stirnrunzeln über die Art, wie das bekannt wurde", erklärte ein zweiter Insider. Auch einige Konzernvorstände hätten sich vor den Kopf gestoßen gefühlt, berichtete das "Handelsblatt". "Die Art und Weise, wie der Wechsel verkündet wurde, ist unsäglich", sagte ein Manager der Zeitung.

Der deutsche Autokonzern hatte am Dienstag überraschend eine neue Führungsstruktur angekündigt, aber keine Namen genannt. Der Aufsichtsrat hatte sich Insidern zufolge dazu gezwungen gesehen, die Börse in einer Pflichtmitteilung zu informieren, blieb dabei aber vage. "Die Art und Weise, wie Veränderungen einer solchen Tragweite intern kommuniziert wurden, ist mehr als verbesserungswürdig", schimpfte ein VW-Arbeitnehmervertreter. Diese Kritik müssten sich die Anteilseigner gefallen lassen.

Entrüstung über Vorpreschen
Das 20-köpfige Kontrollgremium ist am Donnerstagnachmittag in Wolfsburg zusammengekommen, um über den geplanten Umbau und die vorzeitige Ablösung von Konzernchef Müller durch Diess zu beraten. Es wurde mit einer Sitzung bis in die Nacht gerechnet. Erst danach wird der Chefwechsel offiziell bekannt gegeben. Am Freitag wird eine Pressekonferenz erwartet. Volkswagen äußerte sich nicht.

Der neue Personalvorstand Gunnar Kilian war bisher Generalsekretär und rechte Hand des Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh. Dieser erhält damit einen noch stärkeren Einfluss, als er durch die bei Volkswagen besonders ausgeprägte Mitbestimmung ohnehin schon hat.

Wie das "Handelsblatt" berichtete, hatte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch die neun Vorstände am Dienstag gerade über den Chefwechsel informiert, da legte Diess seine eigenen detaillierten Pläne schon auf den Tisch - in Anwesenheit von Müller. Das Vorpreschen des VW-Markenchefs habe neben der Kommunikation des Aufsichtsrats einige Vorstandskollegen vor den Kopf gestoßen. Finanzvorstand Frank Witter zum Beispiel sei entrüstet gewesen.

Es bestehe nun die Gefahr, dass er oder andere Topmanager von sich aus VW verlassen könnten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht näher bezeichnete hochrangige Kreise des Wolfsburger Autoherstellers. Witter wollte sich dazu auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht äußern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-12 18:09:15
Letzte Änderung am 2018-04-12 21:09:10


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