• vom 16.04.2018, 17:56 Uhr

International


EZB-Bankenaufsicht

Deutsche Bank muss Abwicklung durchrechnen




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  • Die EZB-Bankenaufsicht will wissen, welche Risiken der plötzliche Wegfall des Investmentbankings birgt.

Christian Sewing (r.) hat erst vor wenigen Tagen John Cryan abgelöst. Er ist der dritte neue Chef der Deutschen Bank in sechs Jahren. - © reu

Christian Sewing (r.) hat erst vor wenigen Tagen John Cryan abgelöst. Er ist der dritte neue Chef der Deutschen Bank in sechs Jahren. © reu

Frankfurt. (rs) Dass die Deutsche Bank unter besonderer Beobachtung steht, ist nicht ungewöhnlich. Denn das größte Geldhaus der Euro-Zone kämpft nicht nur seit Jahren mit wegbröckelnden Marktanteilen und einer negativen Aktienkursentwicklung. Fast genauso lang tobt im ehemaligen Vorzeigeinstitut auch schon ein Streit um die richtige Strategie, der vor allem in der Führungsetage tiefe Spuren hinterlassen hat. So ist Christian Sewing, der in der vergangenen Woche überraschend John Cryan abgelöst hat, bereits der dritte neue Chef der Deutschen Bank innerhalb von sechs Jahren.

Doch was die EZB-Bankenaufsicht offenbar schon vor einigen Monaten angeordnet hat und nun publik geworden ist, scheint selbst angesichts der schwierigen Situation der Deutschen Bank ungewöhnlich. Denn laut der "Süddeutschen Zeitung" ist die Bank angewiesen worden, durchzurechnen, was die Abwicklung des Investmentbankings kosten würde. Konkret soll die Deutsche Bank dabei simulieren, wie sich der Wert des Kapitalmarkt- und Derivategeschäfts entwickelt, wenn sie als zahlungsfähiges Institut das Neugeschäft plötzlich einstellt. Die Abwicklung im Fall einer Pleite, die deutlich aufwendiger wäre, ist laut einem Insider aber nicht Teil der Simulation.


Laut der "Süddeutschen Zeitung" ist es das erste Mal, dass die Aufsichtsbehörde von einer Großbank eine solche Simulation fordert. Und auch wenn die Deutsche Bank nun erklärt, sie berechne "für Regulatoren routinemäßig die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in unseren Handelsbüchern", dürfte es alles andere als ein Zufall sein, dass die EZB gerade sie ausgewählt hat. Denn die Deutsche Bank gilt nicht nur aufgrund der durchwachsenen Geschäftsentwicklung als Sorgenkind. Wegen ihrer Größe und komplexen Geschäfte gilt sie auch als eines der gefährlichsten Geldinstitute der Welt, eine Abwicklung könnte daher zu massive Schockwellen im globalen Finanzsystem führen.

Nicht wenige Analysten und größere Anteilseigner fordern von der Deutschen Bank daher auch schon gezielte Schnitte im Investmentbanking und den Rückzug aus nicht profitablen Geschäftsfeldern. Das Geldhaus hat in dem Bereich weitere Marktanteile verloren und hinkt vor allem im Vergleich mit den großen Wall-Street-Banken mittlerweile sehr deutlich hinterher. Der neue alleinige Investmentbanking-Chef der Bank, Garth Ritchie, erklärte dagegen vor wenigen Tagen, er plane vorerst keine radikalen Schnitte bei den kapitalintensiven Geschäften.




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Dokument erstellt am 2018-04-16 18:00:15


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