• vom 17.04.2018, 06:30 Uhr

International

Update: 17.04.2018, 07:54 Uhr

Alternative Wirtschaftsmodelle

"Agrarindustrie ist zerstörerisch"




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Von Anja Stegmaier

  • Gibt es Alternativen zum Kapitalismus? Filmemacher Kurt Langbein und Fairtrade-Chef Hartwig Kirner im Interview.

Nachhaltiger Fischfang mittels traditioneller Fischfalle vor Seoul. - © C. Roth/Langbein&Partner Media

Nachhaltiger Fischfang mittels traditioneller Fischfalle vor Seoul. © C. Roth/Langbein&Partner Media



Kobalt-Abbau von Hand in Katanga, Uganda.

Kobalt-Abbau von Hand in Katanga, Uganda.© C. Roth/Langbein&Partner Media Kobalt-Abbau von Hand in Katanga, Uganda.© C. Roth/Langbein&Partner Media

"Wiener Zeitung": Herr Langbein, in Ihrem Dokumentarfilm "Zeit für Utopien", der am 19. April in die Kinos kommt, stellen Sie alternative Wirtschaftsmodelle vor. Genossenschaften und Kooperationen sind aber keine neuen Ideen . . .

Kurt Langbein: Ich habe über die negativen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems viele Diskussionen geführt. Am Ende ging es immer darum: Gibt es wirklich eine Alternative zum Kapitalismus? Können wir bäuerliche Landwirtschaft erhalten? Können wir vernünftig produzieren, ohne die Umwelt zu zerstören und ohne die Menschen im globalen Süden auszubeuten? Den diversen und auch alten Initiativen - von der Commons-Bewegung über Tauschkreise, solidarische Landwirtschaft und Genossenschaften - fehlt ein gemeinsames Zukunftsbild, das wir brauchen, um die Angst zu verlieren, dass wenn wir ökologisch vernünftig handeln, verzichten müssen.

Aussteigerin am Ziegenhof in Bayern.

Aussteigerin am Ziegenhof in Bayern.© C. Roth/Langbein&Partner Media Aussteigerin am Ziegenhof in Bayern.© C. Roth/Langbein&Partner Media

Im Film kommen Kleinbauern in Bayern zu Wort, die quasi vorindustriell arbeiten. Aber auch Fabrikarbeiter in China oder Minenarbeiter in Afrika. Letztere wollen Wachstum, Wohlstand, ein besseres Leben. Ist das nicht der kapitalistische Kreislauf?

Hartwig Kirner: Ja, mit Fairtrade bewegen wir uns im Rahmen der Marktwirtschaft. Wir als Organisation wollen kein neues System - wir wollen das System ändern. Ich sehe noch keine Wirtschaftsmodelle, die das aktuelle ablösen könnten. Solange wir keine neuen großen Lösungen haben, müssen wir das bestehende Wirtschaftsmodell menschlicher und gerechter machen.

Kurt Langbein (links) ist Filmemacher, Wissenschaftsjournalist und Filmproduzent in Wien. HartwigKirner ist Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Der gemeinnützige "Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens" vergibt das Fairtrade-Siegel in Österreich.

Kurt Langbein (links) ist Filmemacher, Wissenschaftsjournalist und Filmproduzent in Wien. HartwigKirner ist Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Der gemeinnützige "Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens" vergibt das Fairtrade-Siegel in Österreich.© Anja Stegmaier Kurt Langbein (links) ist Filmemacher, Wissenschaftsjournalist und Filmproduzent in Wien. HartwigKirner ist Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Der gemeinnützige "Verein zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens" vergibt das Fairtrade-Siegel in Österreich.© Anja Stegmaier

Langbein: Bei der Lebensmittelversorgung brauchen wir eine Abkehr von der Globalisierung in ihrer derzeit sehr hässlichen Form und einen neuen Regionalismus. Die Agrarindustrie und die Lebensmittelindustrie sind einen zerstörerischen Weg gegangen, der unsere Lebensmittel denaturiert und dazu geführt hat, dass mehr als die Hälfte von dem, was wir heute in den Supermärkten kaufen, nicht bei uns wächst, sondern in den Ländern, die ohnehin zu wenig zum Essen haben.

Kann das für die breite Masse funktionieren?

Langbein: Hansalim in Südkorea zeigt, dass es möglich ist. Die Kooperative versorgt 1,5 Millionen Menschen mit regionaler, biologischer Nahrung. Die Logistik ist ausgeklügelt und die Entscheidungsformen funktionieren. Die Bauern und Konsumenten einigen sich gemeinsam auf einen fairen Preis. Die Produzenten sagen, was sie brauchen, um die Lebensmittel herzustellen und ordentlich leben zu können. Und die Konsumenten erfüllen diesen Wunsch, soweit möglich. Im Gegensatz zum Weltmarkt, wo die Lebensmittelpreise hauptsächlich durch Spekulation geformt werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 18:12:22
Letzte Änderung am 2018-04-17 07:54:15


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