Menlo Park. (wak) Das Offenlegen des Beziehungsstatus’ gehörte von Anfang an dazu. Manche meinen, dass Facebook eigentlich nur deswegen erdacht worden sei, damit sich College-Studenten über den Beziehungsstatus attraktiver Neuzugänge am Campus informieren konnten. Und das, ohne sich mit lästigen persönlichen Fragen herumschlagen zu müssen.

Lange gab es dafür auf Facebook drei Möglichkeiten des Klicks: Single. In einer Beziehung. Oder: Es ist kompliziert.

Doch das ist mehr als von gestern. Facebook hat das schon längst ausgeweitet. Neben dem obligaten Namen, Alter und dem Wohnort kann man inzwischen chirurgisch präzisieren. Verlobt? Verheiratet? Verpartnert? Wohnt zusammen? In einer offenen Beziehung? Getrennt? Geschieden? Verwitwet? Es war also nur eine Frage der Zeit. Und nun ist es so weit: Facebook will - offiziell - in das Geschäft der Online-Partnervermittlung einsteigen. Wer könnte das schließlich besser als das weltgrößte Online-Netzwerk, in dem Millionen von Nutzern ihren Beziehungsstatus angeben, ihre Hobbys, ihre Lieblingsmusik und Interessen und wo man auch auf deren "Timeline" ein ziemlich gutes Gefühl dafür bekommen kann, wann gerade eine Beziehung zerbrochen ist. Schließlich postet niemand Lieder über ewigwährenden Herzschmerz, der sich gerade im Frühling einer Romanze befindet.

"Auf Facebook haben 200 Millionen Menschen ihren Status als Single angegeben, also gibt es hier eindeutig etwas zu tun", sagte etwa Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der Anfang der Woche die Weiterentwicklung zur Online-Partnervermittlung bekanntgab.

Die Ankündigung des Daten-Riesen reichte, um alteingesessene Online-Partnervermittler wie die Tinder-Mutter Match oder Sparks Networks, das hinter religiös orientierten Angeboten wie JDate und ChristianMingle steht, zumindest zwischenzeitlich auf Talfahrt zu schicken. Die Facebook-Aktie legte dagegen zu.

Der Einstieg von Facebook dürfte ein "großes Problem" für andere Partnervermittler darstellen, sagte Analyst James Cordwell von der Investmentfirma Atlantic Equities. Bisher gilt Match, der Konzern steht hinter den Dating-Apps Tinder und OkCupid, als Marktführer. Das US-Unternehmen büßte nach der Ankündigung fast ein Viertel seines Börsenwertes ein. Die Anteilsscheine der Match-Muttergesellschaft IAC verbilligten sich um 17 Prozent.

Facebooks Dating-Prototyp soll "in Kürze" an den Start gehen. Er soll optional und "komplett von bestehenden Facebook-Profilen getrennt" sein. Ein Klick auf ein Herzsymbol bringt Nutzer direkt zu ihrem Dating-Profil, sofern sie eines erstellt haben. Mögliche Treffer hängen von gemeinsamen Vorlieben, Hobbies und Freunden ab. Die Einführung einer Wischfunktion, für die Tinder bekanntgeworden ist, ist zunächst nicht vorgesehen. Es gehe um langfristige Beziehungen, sagte Zuckerberg, nicht um "einmalige Geschichten". Details werden in den nächsten Monaten veröffentlicht.

Entwicklerkonferenz brachte Zuckerberg in Zugzwang

Dass Zuckerberg ausgerechnet jetzt dieses Kaninchen aus dem Hut zauberte, dürfte daran liegen, dass er auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 dringend gute Nachrichten brauchte. Schließlich befindet sich Facebook gerade international schwer in Bedrängnis, weil herauskam, dass das Netzwerk die eigenen Daten der Nutzer zwar schützt, aber deren Verwendung in den Händen von Dritten überhaupt nicht überwacht. So konnte die Politikberatung Cambridge Analytica die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern im US-Wahlkampf einsetzen.

Ein weiterer Grund, warum Zuckerberg dringend ein Ablenkungsmanöver brauchte, war die Tatsache, dass zu Wochenbeginn der Mitgründer und langjährige Chef des populären Chatdienstes WhatsApp, Jan Koum, die Konzernmutter Facebook verlassen hat. Es sei Zeit für ihn, weiterzuziehen, schrieb Koum in einem Facebook-Eintrag. Die "Washington Post" berichtete, es habe Streit mit Facebook um die Datennutzung sowie die strikte Verschlüsselung bei WhatsApp gegeben.

Koum und sein Mitgründer Brian Acton hatten WhatsApp 2014 für rund 22 Milliarden Dollar (18,23 Milliarden Euro) an Facebook verkauft. Sie sicherten sich dabei weitreichende Unabhängigkeit. So blieb WhatsApp werbefrei und die Daten wurden zunächst komplett getrennt. Inzwischen gleichen WhatsApp und Facebook nach Angaben des Unternehmens Telefonnummern ab, um Spam herauszufiltern.