Vevey/Seattle. (wak) Kaffee gilt inzwischen als das einzige Genussmittel, das man ohne Reue konsumieren darf. Kein Wunder also, dass der Markt der Bohne kontinuierlich expandiert. Hat der weltweite Kaffeekonsum sich in den letzten 20 Jahren sprunghaft verdoppelt, so schreitet die Expansion auf hohem Niveau weiter fort. Laut der Internationalen Kaffeeorganisation hat die globale Produktion 2017/18 erneut zugenommen - und zwar um 1,2 Prozent auf knapp 160 Millionen Säcke. Ein Sack ist die Maßeinheit der Kaffeeproduktion und umfasst 60 Kilo.

Kaffee gilt als einer der letzten wachsenden Konsumgütermärkte. Und so wundert es also kaum, dass der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt inzwischen sein Heil im Kaffee sieht. Es schließt sich quasi ein Kreis, hatte doch die Unternehmensgeschichte von Nestlé vor 150 Jahren mit der Erfindung des Milchpulvers für Babys begonnen. Irgendwann kamen dann Erfolgsprodukte wie Maggi, Schöller-Eis und Kitkat.

Und inzwischen umfassen Mineralwasser und Kaffeearten die größten Produktpaletten des Konzerns. Doch Marken wie Nespresso, Nescafe, Dolce Gusto und Bonka sind noch nicht genug.

Am Montag wurde bekannt, dass Nestlé 7,15 Milliarden Dollar (5,19 Milliarden Euro) auf den Tisch legt, für das Recht auf die Vermarktung von Starbucks-Produkten. Die Starbucks-Filialen sind davon nicht betroffen, sehr wohl aber jene Starbucks-Kaffeeprodukte die man in Supermärkten zu kaufen bekommt - und die keine Fertiggetränke sind. Konkret sind davon abgepackte Kaffeemischungen und Kapseln betroffen.

Mit dieser Allianz will Nestlé weiter wachsen, vor allem in Nordamerika, teilte das Unternehmen am Montag mit. Starbucks erzielt mit dem nun verkauften Handelsgeschäft einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar. "Das ist ein bedeutender Schritt für unser Kaffeegeschäft. Es ist die größte der schnell wachsenden Produktkategorien von Nestlé", sagte Nestlé-Chef Mark Schneider. Mit Starbucks, Nescafe und Nespresso führe Nestle drei "herausragende Marken der Kaffeewelt" zusammen.

Die US-Kette hatte im November bereits ihre Teemarke Tazo für 384 Millionen Dollar an Nestlés Rivalen Unilever veräußert. Nestlé übernimmt im Rahmen der Transaktion rund 500 Mitarbeiter von Starbucks, Anlagevermögen wird nicht übertragen. Beide Unternehmen wollen zudem bei der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte zusammenarbeiten.

Der Geschäftsbetrieb erfolgt unverändert in Seattle. Die Übernahme unterliegt den üblichen regulatorischen Genehmigungsverpflichtungen und soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Ab 2019 wird Nestlé damit Starbucks-Kaffee verkaufen können. Nestle wird neben dem Kaufpreis zudem auch Lizenzgebühren an Starbucks zahlen.