Berlin. Vorsichtig gibt Sabrina Schwarz Magnetpulver in ein Glas Salzsäure. Eine Stunde reagieren die Stoffe bei 80 Grad. "Wir könnten auch ganze Magnete nehmen, dann würde der Prozess aber länger dauern", sagt die Mitarbeiterin des Projekts "Seltenerd-Magnet-Recycling" an der Technischen Universität Clausthal. Am Ende gewinnt sie ein pulvriges Seltenerd-Mischoxid, ein Gemisch in Verbindung mit Sauerstoff.

Das Forschungsvorhaben der Hochschule ist eines der wenigen Projekte, das sich mit der Wiedergewinnung von Seltenen Erden wie Neodym aus Abfällen beschäftigt. Aus einer Tonne Neodym-Eisen-Bor-Magnetschrott gewinnt Schwarz rund 330 Kilogramm Seltenerd-Mischoxide. "Die Mischoxide können anschließend beispielsweise für die Herstellung neuer Magnete verwendet werden", sagt sie. Ziel sei es, die Industrie etwas unabhängiger von Importen zu machen.

17 Seltene Erden

Die 17 Seltenen Erden, zu denen Neodym, Lanthan und Cer gehören, werden wegen ihrer chemischen und physikalischen Ähnlichkeit oft als Stofffamilie betrachtet - und sind sehr gefragt. Genutzt werden sie etwa für LCD-Bildschirme, Windkraftanlagen oder Magnete.

Doch seit 2011 stehen Seltene Erden auf der Liste kritischer Rohstoffe für die EU. Die Europäische Kommission spricht von einer hundertprozentigen Importquote - der Staatenverbund ist also komplett auf Quellen von außerhalb angewiesen. Rund 8.350 Tonnen der Stoffe verbrauche die EU jährlich, heißt es auf Anfrage.

Weitere Abhängigkeit in den kommenden Jahren

Die Abhängigkeit von Importen könnte laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover noch weiter wachsen. Studien zeigen, dass der Bedarf an Neodym und Terbium wegen des Trends zu Elektro-Autos und des Ausbau erneuerbarer Energien steigen wird - beide Branchen brauchen Seltenerd-Magnete. Bis 2018 könnte die Nachfrage gemessen am Jahr 2014 weltweit um 6,5 Prozent auf gut 142.000 Tonnen geklettert sein, kalkulieren Forscher. In Europa nehme der Bedarf um fünf bis zehn Prozent pro Jahr zu.

Droht also ein Versorgungsengpass? Nicht unmittelbar, sagt ein BGR-Sprecher. Doch Deutschland sei vor allem vom Großanbieter China abhängig. "Das gilt beispielsweise für die chemische Industrie, Automobilhersteller und Hersteller von Windkraftanlagen", heißt es. Die EU-Kommission schätzt, dass 95 Prozent des weltweiten Volumens in der Volksrepublik gewonnen werden. Damit ist China quasi Monopolist auf dem Weltmarkt. "Im Falle von Importunterbrechungen wären mehrere Branchen in der EU betroffen", erklärt die Kommission.