Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung ihres Ratsmitglieds Jan Smets wohl im Laufe des Sommers Schritte hin zu einer Beendigung des Anleihen-Kaufprogramms einleiten. Einen entsprechenden Beschluss könnte die EZB nach ihrer Sitzung am 26. Juli bekanntgeben, sagte der belgische Notenbankchef dem "Wall Street Journal".

"Die jüngsten Daten stehen weiter im Einklang mit der wirtschaftlichen Expansion, die sich in einem robusten Tempo fortsetzt." Die EZB sei voraussichtlich bald bereit, ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere über 30 Milliarden Euro pro Monat auslaufen zu lassen und den Schwerpunkt ihrer Kommunikation auf mögliche Zinserhöhungen zu verlagern. Bis Ende Dezember 2017 steckt die Notenbank monatlich noch 60 Milliarden Euro in Anleihenkäufe. Viele Ökonomen erwarten, dass die EZB die vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen bis Ende 2018 einstellt.

Knapp 152 Milliarden Euro
an Firmenanleihen

Laut einer am Dienstag veröffentlichten EZB-Untersuchung habe die Notenbank mit ihren groß angelegten Käufen von Firmenanleihen den Markt für solche Papiere kräftig belebt. Daher wurde für Unternehmen im Währungsraum die Refinanzierung mittels Schuldtiteln günstiger. Laut der Notenbank schob bereits die Ankündigung des Programms die Emissionstätigkeit der Firmen an.

Der Trend zu mehr Anleihemissionen als in den vergangenen Jahren zeige sich besonders ausgeprägt bei Unternehmen in Frankreich und in den Niederlanden und etwas weniger in Italien. Die EZB erwirbt seit rund drei Jahren in großem Stil Wertpapiere. Seit Juni 2016 kauft sie auch Firmenbonds. Bis Ende April haben die Währungshüter Firmenanleihen in Höhe von 151,85 Milliarden Euro erworben.