• vom 08.05.2018, 17:33 Uhr

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Audi

Die nächste Betrugssoftware




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  • VW-Tochter Audi drosselte die Einspritzung einer Harnstoff-Lösung bei Diesel-Fahrzeugen.

Die Harnstoff-Lösung AdBlue wird in einen separaten Tank gefüllt.

Die Harnstoff-Lösung AdBlue wird in einen separaten Tank gefüllt.© dpa/Stratenschulte Die Harnstoff-Lösung AdBlue wird in einen separaten Tank gefüllt.© dpa/Stratenschulte

Ingolstadt. (da/reu) "Damit Sie keine böse Überraschung erleben, informiert Sie ein Warnhinweis jeweils 2400 km und 1000 km, bevor AdBlue nachgefüllt werden muss", heißt es auf der Webseite der Volkswagen-Tochter Audi. AdBlue ist der Markenname einer Harnstoff-Lösung. Diese wird bei modernen Dieselfahrzeugen benötigt. Denn sogenannte SCR-Katalysatoren brauchen AdBlue, damit Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt werden.

Für die Automobilindustrie ist dieser Katalysator in Verbindung mit AdBlue ein Zeichen dafür, dass saubere Dieseltechnologie möglich ist - und Pflicht in Diesel-Pkw der noch aktuellen Schadstoffklasse Euro 6. In Audis Worten: Ein derartiges Modell erkenne man an "seinen niedrigeren Stickoxid-Emissionen".


Nun droht Fahrern des auslaufenden Audi A6 und des A7 eben jene "böse Überraschung". Audi habe die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit ausgerechnet 2400 Kilometer, bevor sie zu Neige geht, stark gedrosselt, berichtete der "Spiegel" am Dienstag.

Da die Zufuhr von Harnstoff abgeregelt sei, funktioniere der SCR-Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden nicht oder nur extrem eingeschränkt. Das giftige Gas entweicht damit laut Bericht des Magazins in hohen Konzentrationen aus dem Auspuff. Aus dem scheinbar emissionsarmen Diesel wird eine Dreckschleuder. Und der Volkswagen-Konzern steht vor dem nächsten Betrugsfall im eigenen Haus.

Produktion gestoppt
Audi selbst hat das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) über "Auffälligkeiten" bei der Dieselmotorsoftware von 60.000 A6 und A7 - knapp die Hälfte ging in den Export - informiert und die Auslieferung gestoppt. Damit erhöht sich die Zahl der zurückgerufenen Audis auf 910.000. Bereits im Sommer 2017 kündigte Audi an, 850.000 Fahrzeuge mit Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 für ein Software-Update zurückzurufen.

Der jüngste Fund sei vergangene Woche an das KBA gemeldet worden. Die Flensburger Behörde hatte wiederum seit Aufdeckung des Dieselskandals im Herbst 2015 für mehr als 150.000 Audis Rückrufe angeordnet. Für mehrere zehntausend Fahrzeuge standen zuletzt noch Prüfungen oder Bescheide aus. Aufgrund der nun publik gewordenen Betrugssoftware hat die Staatsanwaltschaft München ihre Ermittlungen gegen Audi ausgedehnt. Für die Folgen des Dieselskandals hat Audi bereits 2,25 Milliarden Euro zurückstellen müssen.

Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sagte, das Unternehmen untersuche systematisch alle Motoren. Dass aber bald drei Jahre nach Beginn des Dieselskandals noch immer Betrugsmechanismen entdeckt werden, spricht nicht für die Aufklärungsarbeit unter dem Audi-Boss. Seit Anfang 2007 amtiert Stadler, zuletzt galt er als Ablösekandidat. Er muss sich auf unangenehme Fragen bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch gefasst machen.

Lästig, aber nicht teuer
Die nun betroffenen Fahrzeuge erhalten aller Wahrscheinlichkeit nach ein Software-Update. Fahrer müssen danach häufiger Harnstoff in einen separaten Tank nachfüllen. Audi rechnet mit einem bis drei Liter AdBlue pro 1000 Kilometern; abhängig von Fahrzeugmodell, Einsatzbedingungen und Fahrweise. Die Betankung mag Fahrern lästig sein, teuer ist sie nicht: Zehn Liter AdBlue sind um knapp neun Euro erhältlich.

Volkswagens Baustellen

Der weltgrößte Autobauer, zu dem unter anderem VW, Audi, Porsche und Seat zählen, hat gleich in drei brisanten Fällen mit Ermittlern und Klagen zu kämpfen.

Dieselskandal: Die Aufarbeitung der Abgasmanipulationen kostete bisher mehr als 25 Milliarden Euro. So viel musste Volkswagen in den USA für Rückrufe, Schadensersatz und Strafen zur Seite legen. Noch sind die Gesamtkosten gar nicht abzusehen.

Marktmanipulation: Im März durchsuchte die Staatsanwaltschaft die VW-Zentrale wegen des Verdachts falscher Informationen über Verbrauchs- und CO2-Angaben für die Typ-Zulassung von Diesel- und Benzin-Fahrzeugen.

Kartellverdacht: VW, Audi, Porsche, BMW Mercedes-Benz sollen sich seit den 1990ern in
geheimen Treffen über Technik, Kosten, Zulieferer und Märkte
abgesprochen haben.




Schlagwörter

Audi, Adblue, Automobilindustrie

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Dokument erstellt am 2018-05-08 17:39:40



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