Washington/Buenos Aires. (wak) Es ist nicht die Schuld des neuen US-Notenbankchefs Jerome Powell. Der führt nur die Politik seiner Vorgänger weiter. Und er will aus deren Fehlern der Vergangenheit lernen. Aber gegen manche Kräfte hilft keine Beteuerung.

Konkret geht es um die schrittweise Erhöhung der Zinsen in den USA. Aufgrund der Wirtschaftskrise hat die US-Notenbank Fed im Dezember 2008 den Leitzins auf null Prozent gesenkt. Das war noch unter dem Notenbank-Chef Ben Bernanke.

Powells Vor-Vorgänger Bernanke, der sich wegen seiner beherzten und ungestümen Geldvermehrung zur Krisenbekämpfung den Spitznamen "Helikopter-Ben" eingehandelt hatte, ließ 2013 die Märkte krachen gehen, als er bei einer Anhörung im Kongress laut darüber nachdachte, die Wertpapierkäufe allmählich zurückzufahren - und damit die Geldvermehrung zu stoppen und in der nächsten Runde die US-Währung aufzuwerten.

Ein Beben an den internationalen Märkten war die Folge. An den Finanzmärkten war von einem "taper tantrum" die Rede, einer Wutreaktion auf die Andeutung einer strafferen Geldpolitik. Insbesondere die Währungen von Schwellenländern wurden auf Talfahrt geschickt. Denn die Verlockung höherer Zinsen und damit mehr Rendite in den USA ließ Anleger im großen Stil ihre Geldkoffer packen, und insbesondere den fragilen Ökonomien wurde die Liquidität von heute auf morgen entzogen.

Auf Bernanke folgte Anfang 2014 Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank. Unter Yellen begann die Zinswende Ende 2015. Seither wurde das US-Zinsniveau sechsmal erhöht - zuletzt im März das erste Mal von Powell selbst. Der übernahm im Februar 2018 das Ruder in der Fed. Powell führte die behutsame Erhöhung Yellens fort und erhöhte um die gewohnten 0,25 Punkte auf einen Zielkorridor von nun 1,50 bis 1,75 Punkte. Zugleich signalisierte Powell für heuer zwei weitere Zinserhöhungen.

Eine Entscheidung für die USA mit Auswirkungen auf die Welt

Die Herausforderung Powells ist: Die US-amerikanische Wirtschaft steht momentan sehr gut da. Die Steuererleichterungen unter US-Präsident Donald Trump haben die Konjunktur angefacht. Kritiker glauben, dass dieser Höhenflug nur von kurzer Dauer sein wird, und sehen schon Anzeichen für Überhitzung. Trotzdem gibt es genug Stimmen in den USA, die von der Fed eine Normalisierung ihrer Geldpolitik verlangen. 1,50 bis 1,75 Punkte sind noch weit von dem gewohnten Vorkrisenniveau entfernt.