"Die Volkswirtschaft ist in den vergangenen Monaten stärker geworden", hieß es im März in der Mitteilung der Fed. Dies wurde von Experten als Zeichen gewertet, dass es künftig auch steiler bergauf gehen könnte. Und im Juni könnte es bereits so weit sein. Es macht sich dementsprechend ein deutlicher Abzug von Kapital aus Schwellenländern bemerkbar.

Powell versprach kürzlich, dass durch die angepeilten Zinserhöhungen kein Börsenbeben wie vor fünf Jahren drohe. Die Fed werde ihre Strategie "so klar und transparent wie nur möglich" kommunizieren, um die Erwartungen zu steuern und Turbulenzen zu vermeiden, versicherte Powell. Die Frage ist nur, wie er es vermeiden will. Der jüngste Verfall des argentinischen Peso und der türkischen Lira sprechen eine andere Sprache.

Argentiniens Regierung ruft in der Krise alte Geister zurück

Um der eigenen Währung international Attraktivität zu verleihen, hatte Argentinien jüngst den Leitzins auf mittlerweile 40,0 Prozent gehievt. Es war bereits die dritte Zinsanhebung innerhalb weniger Tage. Damit dürfte nach Ansicht von Volkswirten die Gefahr vorerst gebannt sein, dass der Peso weiter abrutscht. Doch dem einstigen Pleiteland drohe bei dauerhaft hohen Zinsen eine Konjunkturkrise, warnen Ökonomen.

Der konservative Präsident Mauricio Macri hat seit seiner Wahl 2015 Argentinien an die internationalen Finanzmärkte zurückgebracht, indem er sich mit US-amerikanischen "Geierfonds" einigte, die in der Argentinien-Krise Staatsanleihen zu Spottpreisen kauften und trotz Abschlags Gewinn damit machen wollten.

Und nun hat die argentinische Regierung angesichts des Sinkflugs des Peso den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Unterstützung gebeten. "Wir beginnen Gespräche über Finanzhilfen mit dem IWF", sagte Präsident Macri vergangene Woche. "Wir gehen den einzigen möglichen Weg, um dem Stillstand zu entkommen und eine große Wirtschaftskrise zu verhindern, die uns allen schaden würde."

Für die dagegen protestierenden Argentinier ist klar, worauf das hinausläuft: auf noch mehr Sparmaßnahmen. Finanzminister Nicolas Dujovne kündigte dabei zuletzt Haushaltskürzungen in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar an. Und zahlreiche Gebühren wurden unter Macri bereits empfindlich erhöht.