• vom 17.05.2018, 17:41 Uhr

International

Update: 18.05.2018, 09:32 Uhr

Italien

"Reaktion lautet: Verlasst die Eurozone"




  • Artikel
  • Kommentare (10)
  • Lesenswert (28)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Michael Schmölzer und Anja Stegmaier

  • Für Raiffeisen-Chefökonom Brezinschek ist das Programm der möglichen Regierung Italiens ein "Luftschloss".

Fünf-Sterne-Chef Di Maio kann noch keine Einigung verkünden. - © ap/Antimiani

Fünf-Sterne-Chef Di Maio kann noch keine Einigung verkünden. © ap/Antimiani



Rom/Wien. Die graue Eminenz der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), Beppe Grillo, ist Starkomiker - doch den Freunden eines stabilen Europa ist eher zum Weinen zumute. Im Verein mit der rechtspopulistischen Lega könnte die als Spaßfraktion gegründete Bewegung so ziemlich alles über Bord werfen, was den Bestand der Gemeinschaft sichern soll. Die Populisten wollen in dem mit 132 Prozent des Brutoinlandproduktes rekordverdächtig verschuldeten Land alle Defizitlatten reißen, Steuern wie auch das Pensionsalter senken und ein eine Art Mindestsicherung, genannt "Bürgereinkommen", einführen.

Die Steuerausfälle werden auf 50 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, das Bürgereinkommen würde 17 Milliarden kosten und die Pensionsreform ungefähr 26 Milliarden. Dem steht der europäische Stabilitätspakt im Weg, der die Neuverschuldung begrenzt und damit die Existenz des Euro sichern soll. Doch ist den beiden Anti-Systemparteien nichts heilig, eine Aufweichung des Paktes ist Bestandteil des Regierungsprogramms. Die Rede ist von einer "Generalrevision der europäischen ökonomischen Governance". Das soll gemeinsam mit anderen europäischen Partnern geschehen. Wie genau man das machen will, darüber steht im Koalitionsvertrag nichts. Unklar ist auch, was geschieht, wenn sich die EU-Kommission und Deutschland querlegen.


"Too big to fail?"
Ursprünglich wollte die Fünf-Sterne-Bewegung dem Euro den Rücken kehren, davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Ein Referendum über den Verbleib in der Eurozone soll es nicht geben und von der Forderung, die Europäische Zentralbank (EZB) solle einfach auf die Rückzahlung von 250 Milliarden Euro verzichten, wurde auch Abstand genommen.

Die Frage lautet trotzdem, wie lange Italien unter diesen Voraussetzungen seine Schuldenlast tragen kann. Immerhin handelt es sich hier nicht um Griechenland, sondern um ein Schwergewicht, die drittgrößte Volkswirtschaft innerhalb der EU.

Das macht Angst: Ökonomen wie Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vertritt die Ansicht, dass Italien "too big to fail" ist. Die Eurozone, so Heinemann, sei erpressbar, weil sie einen finanziellen Kollaps von Italiens Staat und Banken um jeden Preis verhindern müsse. Das würde heißen, dass Italien, anders als Griechenland, bei einer Kraftprobe siegen würde und sich nicht den Forderungen der Geldgeber beugen müsste.

Bei dem sich abzeichnenden Poker zwischen der neuen Regierung in Rom und der Eurogruppe sei zumindest völlig unklar, wer gewinne, so der Wirtschaftsprofessor.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




10 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 17:48:54
Letzte Änderung am 2018-05-18 09:32:25



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der gescannte Kunde
  2. Saudi-Arabien und Russland wollen mehr Öl
  3. Eine Frage der Glaubwürdigkeit
  4. BMW bleibt profitabelster Autobauer der Welt
  5. Britische Wirtschaft wächst kaum noch
Meistkommentiert
  1. "Reaktion lautet: Verlasst die Eurozone"
  2. Konsumenten legen Wert auf fairen Handel
  3. Sanktionen gegen europäische Firmen wegen Iran möglich
  4. Arbeitnehmer schlecht gerüstet für Digitalisierung
  5. Infineon investiert 1,6 Mrd. in Kärnten

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung