• vom 18.05.2018, 07:21 Uhr

International

Update: 18.05.2018, 07:38 Uhr

Digitalisierung

Arbeitnehmer schlecht gerüstet für Digitalisierung




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Von WZ Online, APA, dpa

  • In China und USA gibt es eine positivere Einstellung als in Europa. Mehr Aus- und Weiterbildung für Beschäftigte nötig.

Seit Jahren werden die Folgen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt diskutiert. Es besteht Handlungsbedarf bei der Qualifizierung der Arbeitnehmer - vonseiten des Gesetzgebers. - © APAweb / Reuters, Stephen Lam

Seit Jahren werden die Folgen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt diskutiert. Es besteht Handlungsbedarf bei der Qualifizierung der Arbeitnehmer - vonseiten des Gesetzgebers. © APAweb / Reuters, Stephen Lam

München. Der Einzug von Robotern und künstlicher Intelligenz in Werkshallen und Büros wirft bei vielen Arbeitnehmern bange Fragen nach der Zukunft ihrer Jobs auf. Doch gerade bei der Aus- und Weiterbildung für die Arbeitswelt von morgen hapert es aus Sicht der Beschäftigten.

Die große Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland fühlt sich einer Umfrage zufolge nur unzureichend auf die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Wie der "Trend Index" zur bevorstehenden Robotik- und Automationsmesse Automatica (19. bis 22. Juni) in München ergab, hinkt die Aus- und Weiterbildung der Unternehmen bisher deutlich hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück. Nur gut ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland habe den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber entsprechende Angebote vorantreibt.

7000 Arbeitnehmer befragt

Für die Untersuchung wurden in den USA, Asien und Europa insgesamt rund 7.000 Arbeitnehmer nach ihren Einschätzungen zum Einfluss von Robotern und künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt von morgen befragt - davon etwa 1.000 in Deutschland. Lediglich 16 Prozent der Befragten in Deutschland gaben ihrem Arbeitgeber die Schulnote eins oder zwei für Aus- und Weiterbildungsprogramme.

Damit schneidet die deutsche Wirtschaft etwas schlechter ab als die anderer Länder. Im Durchschnitt der sieben Länder befand ein knappes Viertel der Arbeitnehmer, dass solche Ausbildungsangebote bei ihren Arbeitgebern bereits erfolgreich etabliert seien.

Qualifizierung: "Gesetzgeber ist gefordert"

Auch der Maschinenbau-Branchenverband VDMA sieht Nachholbedarf: "Arbeitnehmer müssen für die Digitalisierung qualifiziert werden. Hier machen die Mittelständler schon viel, aber es muss noch mehr werden", erklärte der für Robotik und Automation zuständige VDMA-Geschäftsführer Patrick Schwarzkopf. Die Qualifizierung beginne allerdings in den Schulen und Berufsschulen, "und hier ist der Gesetzgeber gefordert, diesen Prozess noch deutlich zu beschleunigen".

Vor allem in China und in den USA erwarten der Studie zufolge die Menschen positive Impulse, sich zu Robotik und Automation beruflich fortzubilden. Auf mehr qualifizierte und besser bezahlte Jobs durch Mensch-Roboter-Teams hofft etwa die Hälfte der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Japan. In China und den USA gehen sogar 80 Prozent der Befragten davon aus, dass solche Jobs künftig zunehmen werden. Schwarzkopf sieht das positiv: "Trotz aller Schreckensbilder haben viele Menschen eine durchaus positive Einstellung zur Künstlichen Intelligenz und deren Möglichkeiten", sagte der VDMA-Geschäftsführer.

Mehr Aus- und Weiterbildung notwendig

Die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt werden seit Jahren in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert. Befürchtungen, dass vor allem viele standardisierte Jobs durch den Einsatz von Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz wegfallen dürften, steht die Hoffnung gegenüber, dass dank neuer Technologien auch zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

Dafür ist aber auch aus Sicht der Gewerkschaften mehr Aus- und Weiterbildung erforderlich. So hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kürzlich in einem auf der Homepage der Gewerkschaft veröffentlichten, internen Interview beklagt, dass in der Metall- und Elektroindustrie die Weiterbildungs- wie auch die Ausbildungsquote stagniere - trotz sichtbarer Veränderungen der Arbeit. "Solange die Auftragsbücher in den Betrieben voll sind und die Personaldecke knapp bemessen bleibt, wird allenfalls das Notwendigste qualifiziert. Das ist ein kurzfristiges Denken zu Lasten der langfristigen Perspektiven der Beschäftigten", erklärte der Gewerkschafter.

Perspektive für Jene, deren Arbeitsplatz es nicht mehr geben wird

Der Elektrokonzern Siemens etwa hatte im Ringen um die geplanten Einschnitte in seiner Kraftwerkssparte auch einen Zukunftspakt mit den Arbeitnehmervertretern geschlossen, mit dem der industrielle Strukturwandel aktiv gestaltet werden soll. Der Pakt umfasst auch einen Zukunftsfonds und zielt auf eine vorausschauende Aus- und Weiterbildung sowie den Wandel zu einer lernenden Organisation, wie Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn erklärte.

Die Personalchefin von Siemens, Janina Kugel, hatte dazu gesagt: "Es kommt darauf an, dass wir denjenigen eine Perspektive geben, deren Arbeitsplatz es möglicherweise in der Zukunft nicht mehr geben wird."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-18 07:21:20
Letzte Änderung am 2018-05-18 07:38:37


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