Ankara. Die Türkische Lira bleibt unter Druck. Und das trotz der überraschenden Zinserhöhung durch die Notenbank. Nachdem die Währung über Tage dramatisch an Wert verloren hatte, ist die Zentralbank am Mittwochabend eingeschritten und hat den zentralen Leitzins von 13,5 auf 16,5 Prozent angehoben. Sie demonstrierte damit auch ihre Handlungsfähigkeit - zum Missfallen von Recep Tayyip Erdogan.

Der türkische Präsident ist ein entschiedener Gegner einer Zinsanhebung, meint, dies könne die Konjunktur abwürgen. Auch vertritt er die unorthodoxe Ansicht, dass niedrige Zinsen die Inflation senken helfen. Nachdem Erdogan wiederholt die Zinspolitik der Zentralbank kritisiert hatte, kündigte er vergangene Woche in einem Interview an, nach den vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni die Kontrolle über die Geldpolitik zu stärken. Zinsen bezeichnete er dabei als "Mutter allen Übels".

Ökonomen und Anleger reagierten alarmiert. Zuletzt hatte die Ratingagentur Fitch die Aushöhlung der Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank kritisiert. Analysten bezweifeln, ob die Zinserhöhung nun Wirkung zeigt. So befürchtet Devisenexperte Manuel Andersch von der BayernLB, dass die Glaubwürdigkeit der türkischen Notenbank möglicherweise schon "irreparabel beschädigt sein könnte".

Weitere Zinserhöhung offen

Auch fehlt in der Erläuterung zu der Sitzung vom Mittwoch ein Hinweis, dass die Notenbank notfalls weiter an der Zinsschraube drehen könnte. "Wir werden eine weitere Straffung benötigen - und zwar bei dem regulären Zentralbanktreffen am 7. Juni", sagte Inan Demir vom Finanzdienstleister Nomura.

Bereits seit mehreren Jahren verliert die Währung an Wert, nun spitzt sich die Situation zu. Zwar ist die Wirtschaft in der Türkei 2017 um 7,4 Prozent gewachsen. Doch die Inflation verharrt bei knapp elf Prozent und das Leistungsbilanzdefizit wird immer größer. Ein Gutteil des bisherigen Wachstums geht auf staatliche Investitionen in die Infrastruktur zurück. Zudem stützt die Regierung den Konsum mit immer neuen Subventionen. Viele Ökonomen warnen daher vor einer Überhitzung der Wirtschaft.

Der Erfolg Erdogans an den Urnen beruht jedoch maßgeblich auf der guten Entwicklung der Wirtschaft. Beobachter gehen davon aus, dass Erdogan die Wahlen auch deshalb vorgezogen hat, um einem Einbruch der Wirtschaft zuvorzukommen. Nun werten viele Wähler die Schwäche der Währung als Schwäche der Wirtschaft insgesamt.