Ifo-Institut: "Wirtschaftliche Torheit"

Das Münchner Ifo-Institut fürchtet eine Eskalation des Handelskonflikts. "Europa muss sich auf einen neuen Kalten Krieg im Handel mit den USA einstellen", sagte Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr am Freitag. "Dieser Handelskonflikt ist eine wirtschaftliche Torheit, auch wenn der volkswirtschaftliche Schaden zunächst begrenzt bleibt. Denn es ist zu befürchten, dass wir erst am Anfang einer Reihe weiterer US-Maßnahmen stehen." Die Strafzölle verletzten die Regeln der Welthandelsorganisation WTO, kritisierte Felbermayr. Der Wissenschafter empfahl der EU interne Einigkeit, den Schulterschluss mit den übrigen WTO-Mitgliedern - und bei Bedarf die Drohung, die USA an empfindlicher Stelle zu treffen.

Die EU-Produkte, die von den Abgaben auf Stahl und Aluminium potenziell betroffen sind, haben einen Wert von 6,4 Mrd. Euro. Die EU hat damit gedroht, im Gegenzug US-Produkte mit einem Volumen von 2,8 Mrd. Euro mit Zöllen zu belegen, darunter Whiskey, Jeans und Motorräder. Kanada, der größte Stahllieferant der USA, kündigte Zölle auf US-Importe wie Whiskey, Orangensaft und andere Lebensmittel sowie Stahl- und Aluminium an. Es gehe dabei um ein Volumen von umgerechnet 11 Mrd. Euro, sagte Außenministerin Chrystia Freeland. Mexikos Wirtschaftsministerium teilte mit, unter anderem Stahl, Schweinefüße, Äpfel und Käse aus den USA mit Zöllen zu belegen. Altmaier sagte in der ARD, möglich wäre auch "eine stärkere Zusammenarbeit (der EU) mit Kanada und Mexiko".

Schatten über G7

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz bezeichnete die US-Zölle in einem Gespräch mit seinem US-Kollegen Steven Mnuchin einem deutschen Regierungsvertreter zufolge als inakzeptabel. Scholz habe am Rande des Treffens der G-7-Finanzminister im kanadischen Whistler deutlich gemacht, dass es hier um eine Frage der Souveränität Europas und des Respekts gegenüber Europa gehe.

Anders als mit den Europäern sehe sich die US-Regierung in den Gesprächen mit China über Zölle auf einem guten Weg, sagte der Regierungsvertreter. Die chinesische Regierung senkte den durchschnittlichen Zollsatz für fast 1.500 Konsumgüter zum 1. Juli von derzeit 15,7 auf 6,9 Prozent. Damit geht China auf seine Handelspartner zu, vor allem auf die USA. Diese drängen darauf, dass der Exportweltmeister seinen enormen Handelsüberschuss abbaut - etwa durch mehr Importe.