• vom 04.06.2018, 16:09 Uhr

International

Update: 04.06.2018, 16:20 Uhr

Bayer

Bayer schluckt Monsanto




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  • Mit der Mega-Übernahme wird der Name des umstrittenen US-Chemikalienherstellers verschwinden.

"Höllen-Hochzeit": Umwelt-Aktivisten demonstrieren gegen die Fusion von Bayer und Monsanto.

"Höllen-Hochzeit": Umwelt-Aktivisten demonstrieren gegen die Fusion von Bayer und Monsanto.© reuters "Höllen-Hochzeit": Umwelt-Aktivisten demonstrieren gegen die Fusion von Bayer und Monsanto.© reuters

Frankfurt. (ast/reu) Bayer will den größten Zukauf seiner Geschichte in dieser Woche perfekt machen. Am Donnerstag werde Bayer alleiniger Eigentümer des US-Konzerns Monsanto, teilte der Leverkusener Pharma- und Agrarchemieriese am Montag mit. Alle behördlichen Freigaben lägen vor.

Nach der Übernahme werde der Name Monsanto nicht fortgeführt, Bayer bleibe der alleinige Unternehmensname. Mit dem rund 63 Milliarden Dollar schweren Zukauf steigt der DAX-Konzern, der für Pharmaprodukte wie Aspirin, Rennie und Bepanthen bekannt ist, zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf. Zudem treibt der Konzern damit seine Ausrichtung als reines Life-Science-Unternehmen voran. Vor knapp einer Woche hatte Bayer die entscheidende Hürde bei den US-Behörden für den Monsanto-Kauf genommen.



Doch der Mega-Deal mit dem Glyphosat-Hersteller Monsanto stieß auch auf großes Unverständnis. Konzernchef Werner Baumann kündigte an, Kritikern zuzuhören und den Dialog mit der Gesellschaft zu vertiefen.


Agrargeschäft
verdoppelt sich

"Die Übernahme von Monsanto ist ein strategischer Meilenstein, um unser Portfolio führender Geschäfte in den Bereichen Gesundheit und Ernährung zu stärken", erklärte Baumann. Das Bayer-Agrargeschäft werde durch den Zukauf verdoppelt. Der Deal ist nicht nur die größte Übernahme in der Geschichte des Traditionskonzerns, es handelt sich auch um die bislang teuerste Übernahme, die ein deutsches Unternehmen tätigt.

Zur Finanzierung des Monsanto-Kaufs hatte Bayer eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital eingeplant. Dabei sollte der Eigenkapitalanteil bei rund 19 Milliarden Dollar liegen. Vier Milliarden Euro hatte sich Bayer bereits Ende 2016 über eine Pflichtwandelanleihe bei großen Investoren geholt. Verschiedene Banken hatten dem Unternehmen eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar garantiert.

Für den Zukauf wollen die Rheinländer zudem sechs Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln. Die neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung können vom 6. bis einschließlich 19. Juni gezeichnet werden, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern kürzlich mitteilte.

"Das ist ein bedeutender Baustein für die Finanzierung der Übernahme von Monsanto und die letzte damit verbundene Eigenkapitalmaßnahme", sagte Bayer-Chef Werner Baumann nach einem entsprechenden Beschluss des Vorstands. An der Börse notierte die Bayer-Aktie dennoch etwas fester.

BASF übernimmt Bayer-Firmenanteile
Zwei Jahre lang versuchten Bayer und Monsanto, rund 30 Kartellbehörden von der Übernahme zu überzeugen. Das US-Justizministerium genehmigte den Mega-Deal nun vergangene Woche nur unter Auflagen.

Um die kartellrechtlichen Freigaben zu erhalten, hatten die Leverkusener den Verkauf von Geschäftsteilen mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro für insgesamt 7,6 Milliarden Euro an BASF zugesagt. Die EU-Kommission hatte den Chemie-Rivalen am Dienstag ebenfalls als den geeigneten Käufer für alle Firmenteile anerkannt, von denen sich Bayer für die Freigabe trennen muss. Dazu gehört auch das Gemüsesaatgutgeschäft. BASF erfülle die regulatorischen Anforderungen und sei der geeignete Käufer für die Bayer-Geschäfte, so die Kommission.

Integration bleibt noch
zu nehmende Hürde

Die Integration von Monsanto in Bayer wird eine große Herausforderung werden. "Mit Abschluss der Übernahme geht die Arbeit erst richtig los", hatte Bayer-Chef Baumann den Aktionären bereits auf der Hauptversammlung Ende Mai zugerufen. Rund 20.000 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Mit der Umstellungsphase kann Bayer beginnen, sobald BASF den Erwerb der diversen Sparten abgeschlossen hat. Bayer rechnet damit in etwa in zwei Monaten.

Das Image von Monsanto ist zudem schwer angeschlagen. Während der Name Monsanto nach der Übernahme verschwinden soll, sollen die zugekauften Produkte laut Bayer ihre Namen behalten. Ein umsatzstarkes Monsanto-Produkt ist "Roundup" mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat als Kernbestandteil.

Die umstrittene Chemikalie wird von Kritikern für das Insektensterben und den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich gemacht. Sie steht zudem in Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer betonte, sich der gestiegenen Verantwortung, die mit einer führenden Position in der Landwirtschaft einhergehe, bewusst zu sein. "Wir werden mit derselben Entschlossenheit an unseren Nachhaltigkeitszielen arbeiten wie an unseren Finanzzielen", sagte Baumann.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-04 16:16:15
Letzte Änderung am 2018-06-04 16:20:27


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