Quebec/Wien. Vielleicht wird es vor lauter Streit nicht einmal eine gemeinsame Abschlusserklärung geben. Seit Präsident Donald Trump sein Amt in den USA angetreten hat, entfernen sich diese zusehends von ihren Verbündeten - und das zeigt sich bereits im Vorfeld des am Freitag und Samstag stattfindenden G7-Gipfels, bei dem in der Nähe von Quebec die reichsten westlichen Industrienationen zusammenkommen.

Es ist schon von G6 gegen G1 die Rede, so weit auseinander liegt Trumps Position von der der Europäer, Japans oder der kanadischen Gastgeber. Mit den Importzöllen von zehn Prozent auf Aluminium und 25 auf Stahl hat Trump sie vor den Kopf gestoßen. Er kündigte bereits an, dass er auch beim Gipfel hart bleiben wolle. Und Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow setzte noch eins drauf: Die USA spielen sich mit dem Gedanken, Entscheidungen der Welthandelsorganisation (WTO) - bei der zahlreiche Staaten Beschwerde gegen die neuen US-Zölle eingebracht haben - nicht mehr zu respektieren. Multilaterale internationale Organisationen werden nicht die amerikanische Politik bestimmen", sagte Kudlow. Er räumte aber zugleich ein, dass die USA weiter an der WTO interessiert sein könnten - schließlich habe man dort ja selbst Klage gegen Chinas Handelspraktiken eingebracht.

Negieren der WTO als Bedrohung des Welthandels

Wenn sich die USA nun tatsächlich nicht mehr um Urteile der WTO kümmern, dann ist das "eine existenzielle Bedrohung des Welthandelsystems", betont Gabriel Felbermayr, der Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft des Münchner Ifo-Instituts, eines der größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Warum sollten sich kleinere Staaten an die WTO gebunden fühlen, wenn die in Dollar gerechnet größte Volkswirtschaft es nicht macht? "Das ganze Regelwerk wird damit in Frage gestellt."

Deshalb sei es nun wichtig, den USA ihre zunehmende Isolation deutlich zu machen - und das weit über den G7-Gipfel hinaus. Schließlich hat die WTO 164 Mitglieder. "Die WTO-Mitglieder, die darunter leiden würden, wenn die Organisation kaputtgeht, müssen nun zusammenstehen", sagt Felbermayr im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das betrifft Größen wie China, das als Exportnation vom WTO-Regelwerk profitiert, aber auch kleinere afrikanische oder asiatische Länder, die einzeln zwar ökonomisch wenig Gewicht haben, aber gemeinsam viel ausmachen. "Die USA vereinen zwar 20 Prozent des Welt-BIP auf sich", analysiert der aus Österreich stammende Professor für Volkswirtschaft. "Wenn sie aber 80 Prozent gegen sich haben, dann ist das ein Argument, das wohl auch Donald Trump einleuchtet."