• vom 09.06.2018, 12:42 Uhr

International

Update: 09.06.2018, 14:12 Uhr

G7-Gipfel

Neue Hoffnung im Handelsstreit




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, Reuters

  • Merkel schlägt beim G7-Gipfel ein neues Verfahren vor, US-Präsident äußert sich nach Drohungen nun positiver.
  • Europäer gegen Rückkehr Russlands in G7.

Verzieht sich das Wolkenmeer über La Malbaie? - © APAweb/REUTERS, Herman

Verzieht sich das Wolkenmeer über La Malbaie? © APAweb/REUTERS, Herman

La Malbaie. Auf dem G7-Gipfel in Kanada deutet sich eine leichte Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und der EU an. In den kommenden beiden Wochen würden beide Seiten einen Dialog beginnen, sagte ein französischer Regierungsvertreter in La Malbaie. Angela Merkel hatte am Morgen in der Vorabstimmung der EU-Vertreter einen neuen Mechanismus zur Konfliktlösung vorgeschlagen.

Am Abend dann sagte US-Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: "Etwas wird passieren. Ich denke, es wird sehr positiv sein." Am Nachmittag führten die Staats- und Regierungschefs der sieben traditionellen Industrienationen USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien eine als "offen und kontrovers" bezeichnete Aussprache über Handelsthemen.

Deutschlands Kanzlerin Merkel hatte nach der ersten Arbeitssitzung betont, dass man notfalls keine gemeinsame Gipfelerklärung verabschieden werde. "Es ist ehrlicher, Meinungsverschiedenheiten zu benennen und an ihrer Überwindung weiter mitzuarbeiten als jetzt zu tun, als ob alles in Ordnung wäre." Merkel sprach am Rande des ersten Gipfeltages kurz mit Trump. Auf keinen Fall sollen die G7 frühere Positionen zu Handel und Klima verwässern.

 Klimaabkommen

Trump ist aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen und hat zusätzliche Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte auch gegen wichtige Partner wie Kanada, Japan und die EU-Staaten verhängt. Auch die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran führt zu Streit. Die EU-Vertreter wiesen zudem einen Vorstoß Trumps zurück, dass Russland wieder in den G7-Kreis aufgenommen werden soll.

Trump hatte vor seinem Abflug aus Washington den Handelsstreit angefacht. Er warf dem Gastgeberland Kanada und der EU vor, mit hohen Zöllen und Handelsbarrieren amerikanische Bauern, Arbeiter und Firmen unfair zu behandeln. Falls sich daran nichts ändere, würden die USA mit härteren Maßnahmen nachlegen, twitterte Trump. Er will den Gipfel am Sankt-Lorenz-Strom noch vor dem Ende am Samstag verlassen. Trump baute eine Drohkulisse mit Schutzzöllen auf Autos auf, was insbesondere Deutschland hart treffen würde.

 Vorbereitungstreffen

Merkel schlug in La Malbaie auf dem Vorbereitungstreffen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens sowie der EU-Kommission und des EU-Rats vor, den USA einen Lösungsmechanismus für Handelskonflikte anzubieten. Kernelement soll dabei eine gemeinsame Analyse sei, ob die Annahme stimmt, dass etwa Stahl- aber auch Autoimporte aus der EU die Sicherheit der USA bedrohen. Deutschland möchte aus Sorge vor Sanktionen gegen die Autoindustrie eine Eskalation des Handelsstreits vermeiden.

BMW-Finanzchef Nicolas Peter forderte unterdessen in München eine ausgewogene Lösung. Der Vorstandschef des Autozulieferers ZF Friedrichshafen, Wolf-Henning Scheider, verlangte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die EU solle Trump ein Angebot vorlegen: "Zum Beispiel könnten wir den Amerikanern entgegenkommen und die Importzölle von zehn Prozent auf amerikanische Autos abschaffen."

Dass die Ursachen des Streits zwischen den USA und den übrigen G7-Staaten im Fremdeln Trumps mit der globalisierten Handelswelt liegen könnten, lässt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung vermuten. Die US-Wirtschaft ist demnach global weniger vernetzt als die der meisten anderen Länder. Trump sieht sein Land als Verlierer der Globalisierung. Ein Staat mit einem Handelsbilanzdefizit von 800 Milliarden Dollar könne keinen Handelskrieg verlieren, hatte er vor wenige Tagen gesagt.

 Sicherheitsthema

Weitgehend einig waren sich die G7-Vertreter bei einem Sicherheitsthema. In einem Entwurf einer Gipfelerklärung, den Reuters einsehen konnte, heißt es, man wolle eine ausländische Einmischung in Wahlen abwehren. Dazu wollten die Regierungen mehr Informationen austauschen und mit Internet-Providern und sozialen Plattformen zusammenarbeiten. "Ausländische Akteure versuchen, unsere demokratischen Gesellschaften und Institutionen, unsere Wahlprozesse, unser Souveränität und unsere Sicherheit zu unterlaufen", heißt es in dem Entwurf. Viele westliche Regierungen machen Russland dafür verantwortlich, was die Regierung in Moskau bestreitet.

Auf dem EU-Vortreffen wiesen die Vertreter laut Merkel auch den Vorschlag des US-Präsidenten zurück, Russland wieder in den Kreis aufzunehmen. "Hier sind wir uns einig, dass eine Rückkehr Russlands zum G7-Format nicht erfolgen kann, solange nicht wirklich substanzielle Fortschritte im Blick auf die Probleme mit der Ukraine erreicht wurden. Das war die gemeinsame Meinung." Allerdings hatte sich der neue italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hinter den Vorschlag Trumps gestellt.





Schlagwörter

G7-Gipfel, Handelsstreit, EU, USA

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-09 12:43:18
Letzte Änderung am 2018-06-09 14:12:43


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Harley erwägt ab Herbst höhere Preise
  2. 600 Millionen für Kika/Leiner
  3. Lenzing plant Werk in Brasilien um gut eine Milliarde Dollar
  4. Heftiger Aktionärsstreit bei Casinos Austria
  5. Buwog verschwindet von Wiener Börse
Meistkommentiert
  1. G6 und der wütende Trump
  2. Bis vor die Haustür
  3. Lenzing plant Werk in Brasilien um gut eine Milliarde Dollar
  4. Wachstum steigt, Arbeitslosigkeit fällt
  5. Eklat nach Gipfel-Abschluss

Quiz


Firmenmonitor







Werbung