• vom 11.06.2018, 21:00 Uhr

International

Update: 11.06.2018, 21:22 Uhr

Automobilindustrie

Daimler muss europaweit 774.000 Fahrzeuge zurückrufen




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  • In Deutschland sind 238.000 Autos betroffen. Auch dem VW-Konzern droht Ungemach: Audi-Chef Rupert Stadler steht unter Betrugsverdacht.

München. Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat Daimler im Streit um Manipulationen bei Diesel-Autos zu einem weiteren umfangreichen Rückruf verpflichtet. Der Bund werde für 238.000 Fahrzeuge in Deutschland wegen "unzulässiger Abschalteinrichtungen" einen amtlichen Rückruf anordnen, erklärte Scheuer am Montag nach einem Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche in Berlin. In Europa sind insgesamt 774.000 Mercedes-Fahrzeuge betroffen, die auf der Straße zu viel Stickoxid (NOx) ausstoßen. Wie viele Autos in Österreich zurückgerufen werden, ist nicht bekannt.

Der Autobauer bestätigte den Rückruf, er hält die Abgassteuerung aber für rechtskonform und will diesen Streitpunkt nun im Widerspruchsverfahren klären. Eine milliardenschwere Ordnungsstrafe sei indes vom Tisch, sagte Zetsche beim Verlassen des Ministeriums.


Neben dem schon zurückgerufenen Transporter Vito müssen laut Ministerium Modelle der C-Klasse und des Geländewagens GLC in die Werkstätten. Zetsche sagte weiter, das Unternehmen werde sich unverzüglich um ein Software-Update kümmern. Die Schwaben hatten sich im vergangenen Jahr bereit erklärt, freiwillig rund drei Millionen Diesel-Autos nachzubessern.

Streit um Zulässigkeit
Nach dem Volkswagen-Konzern ist Daimler der zweite deutsche Autobauer, dem amtlich Abgasmanipulation bescheinigt wird. Verkehrsminister Scheuer hatte Zetsche bereits Ende Mai zu einer Krisensitzung einbeordert, nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt einen Rückruf von rund 4900 Exemplaren des Mercedes-Kleintransporters Vito wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung angeordnet hatte. Nach bisheriger Ansicht von Daimler sind diese aber nicht rechtlich unzulässig.

Auch dem Volkswagen-Konzern droht weiteres Ungemach. In Deutschland stehen in der Abgas-Affäre jetzt auch Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres Vorstandsmitglied der VW-Tochter unter Betrugsverdacht. Die beiden Manager werden als Beschuldigte geführt, ihre Privatwohnungen wurden zur Sicherung von Beweismaterial durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft München II am Montag mitteilte.

Die seit mehr als einem Jahr andauernden Ermittlungen bei Audi haben damit einen neuen Höhepunkt erreicht, erstmals sind zwei amtierende Audi-Vorstandsmitglieder ins Visier der Staatsanwälte geraten. Stadler steht seit Beginn der Affäre unter Druck, mehrfach war über seine Ablösung spekuliert worden.

20 Beschuldigte
Stadler und seinem Vorstandskollegen werden jeweils Betrug sowie "mittelbare Falschbeurkundung" zur Last gelegt. Bei den Vorwürfen geht es um den Verkauf von Diesel-Autos mit manipulierter Abgassteuerung in Europa. Ein Audi-Sprecher erklärte: "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft."

Die Zahl der Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren ist mit der Ausweitung auf 20 gestiegen. Weitere Details wollte die Staatsanwaltschaft aber mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht nennen. Die Ermittler verdächtigen Audi, in den USA und Europa ab 2009 mindestens 210.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft zu haben.

Ermittelt wird wegen Betrugs und strafbarer Werbung. Anfang Februar hatten Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt und Büros im Werk Neckarsulm durchsucht. Wenig später wurden ebenfalls die Privatwohnungen dreier weiterer Beschuldigter durchsucht.

Bei zweien von ihnen handelt es sich nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft um ehemalige Vorstandsmitglieder von Audi. Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten mitverantwortlich dafür gewesen seien, zumindest einen wesentlichen Teil der mit manipulierten Dieselmotoren ausgestatteten Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, hatten die Ermittler damals mitgeteilt.




Schlagwörter

Automobilindustrie, Audi

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Dokument erstellt am 2018-06-11 18:01:25
Letzte Änderung am 2018-06-11 21:22:18


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