• vom 12.06.2018, 22:08 Uhr

International

Update: 12.06.2018, 22:11 Uhr

Einkaufsgemeinschaft

Norwegen verbietet Lyoness




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  • Norweger verschuldeten sich wegen Grazer Rabattfirma. Lyoness zeigt sich "sehr verwundert".


© Illustration: Andrea Danti - stock.adobe.com © Illustration: Andrea Danti - stock.adobe.com

Wien. Die Grazer Rabattfirma Lyoness, die sich kürzlich in Cashback World umbenannt hat, darf in Norwegen keine Geschäfte mehr machen. Die dortige Glücksspielbehörde hat Lyoness als "illegales, pyramidenspielartiges Verkaufssystem" klassifiziert. Lyoness muss seine Aktivitäten sofort stoppen. Das Unternehmen will sich wehren.

Bereits im Jänner hatte die norwegische Glücksspiel- und Stiftungsaufsicht "Lotteri- og stiftelsestilsynet" entschieden, dass Lyoness ein illegales Vertriebssystem sei. Gegen diese behördliche Einschätzung hat Lyoness Einspruch erhoben - erfolglos.


Die Aufsicht kam erneut zum Schluss, dass Lyoness ein illegales Pyramidenspiel sei und gegen das norwegische Lotteriegesetz verstoße. Das teilte diese vergangene Woche auf ihrer Homepage mit. Diesmal nicht nur auf Norwegisch, sondern auch auf Englisch.

Problematisches Modell
Lyoness ist über die Entscheidung "sehr verwundert". Man werde Berufung einlegen und beweisen, dass das Geschäftsmodell legal sei. Falls nötig, werde man "auch gerichtliche Schritte setzen, um zu zeigen, dass Lyoness wie in allen anderen 47 Ländern ein legales Geschäftsmodell betreibt."

Nach Einschätzung von Norwegens Aufsicht basieren die Einnahmen von Lyoness in dem Land auf dem Anwerben von Mitgliedern und nicht auf dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen. Teilnehmer, die bei Lyoness Gutscheine erwerben, sich in "Customer Clouds" einkaufen oder für Seminare oder Marketingmaterial bezahlen, bekämen keine Waren, Dienstleistungen oder sonstige Vorteile, die das wert seien, was sie eingezahlt haben. Lyoness habe nicht darlegen können, dass die Gewinne aus dem Verkauf oder dem Konsum von Waren oder Dienstleistungen stammen, so die Behörde.

Lyoness habe seine unrechtmäßigen Aktivitäten nach Veröffentlichung der ersten Einschätzung der Behörde nicht eingestellt. Die Einsprüche des Unternehmens haben nicht überzeugt, die Behörde ist immer noch überzeugt, dass Lyoness illegal ist.

Norwegens Lotteriebehörde hat Lyoness seit 2014 im Visier, man habe "glaubwürdige" Hinweise bekommen, dass die Geschäfte problematisch seien, führt die Aufsicht aus. Lyoness habe zwar Maßnahmen eingeleitet, um zu gewährleisten, dass das Geschäft darauf hinauslaufe, eine internationale Shopping-Gemeinschaft aufzubauen. Auch hätten Mitglieder eine Erstattung bekommen. Die Maßnahmen konnten die Behörde aber nicht umstimmen.

Ersparnisse aufgelöst
"Norwegische Mitglieder haben hunderte Millionen norwegische Kronen (1 Krone = 11 Eurocent, Anm.) an Lyoness bezahlt, ohne Waren, Dienstleistungen oder andere Vorteile zu erhalten, die den Wert dessen haben, was sie bezahlt haben", so die Behörde. Einzelne Mitglieder hätten hunderttausende Kronen einbezahlt. Ihnen sei versprochen worden, dass es sich bei den Einzahlungen um Ersparnisse und Investitionen handle, die sich binnen weniger Jahre verzehnfachen würden. Junge Menschen hätten mit dem Studieren aufgehört; zahlreiche junge und arme Norweger hätten für ihr Investment Kredite aufgenommen oder Ersparnisse aufgelöst.

In Österreich wird ermittelt
Teile der Entscheidung der norwegischen Behörde werden erst wirksam, wenn die dreiwöchige Frist, binnen der eine Berufung eingelegt kann, abgelaufen ist. Die aufschiebende Wirkung bezieht sich auf den Geschäftsteil "Cashback", also nicht auf die Vertriebsschiene, mit der Lyoness seit Jahren in mehreren Ländern rechtliche Probleme hat. Die Aufseher haben Mitgliedern bei der Nutzung ihrer Vorteilskarten eine aufschiebende Wirkung eingeräumt, ebenso gilt die Frist für Rabattzahlungen, wenn sie selbst bei Partnerfirmen von Lyoness einkaufen. Die norwegische Behörde hindert Lyoness aber nicht daran, Mitgliedern ihr bis Ende Mai 2018 eingezahltes Geld zurückzuzahlen.

In Österreich ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen Lyoness-Gründer Freidl wegen Verdachts auf Verletzung der Prospektpflicht bei mehreren Anlagen, so eine Sprecherin der Behörde zur APA. Es handle sich um ein berichtspflichtiges Verfahren, die WKStA muss also der Wiener Oberstaatsanwaltschaft berichten, was sie vorhat. Verfahren sind dann berichtspflichtig, wenn die Öffentlichkeit ein großes Interesse hat oder gegen prominente Personen ermittelt wird. Die Ermittlungen sind in der Endphase.

In Österreich und anderen Ländern tritt Lyoness als Sportsponsor auf und bietet Cashback-Karten für Fans diverser Vereine an - etwa Rapid oder AS Roma. Wer bei bestimmten Geschäften einkauft, bekommt einen Rabatt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 17:16:22
Letzte Änderung am 2018-06-12 22:11:34


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