• vom 13.06.2018, 16:02 Uhr

International

Update: 13.06.2018, 16:12 Uhr

Digitalisierung

Keine Grenzen, keine Limits?




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Von WZ-Korrespondent Andreas Hackl

  • Die digitalisierte Weltwirtschaft bietet neue Möglichkeiten für arbeitssuchende Flüchtlinge.

Computerkenntnisse als Anker. Einfache digitale Arbeiten können überall erledigt werden.

Computerkenntnisse als Anker. Einfache digitale Arbeiten können überall erledigt werden.© afp Computerkenntnisse als Anker. Einfache digitale Arbeiten können überall erledigt werden.© afp

Glasgow. Jeden Sonntag trifft sich die Gruppe von Flüchtlingen am Stadtrand von Glasgow in einer alten Fabrikhalle zur Weiterbildung. Sie sind unterschiedlicher Herkunft und sprechen verschiedene Sprachen, dabei verbindet sie ein gemeinsames Problem: die hürdenreiche Arbeitssuche im Gastland. Seit sie an dem Kurs teilnehmen, verbinden sie außerdem immer mehr gemeinsame Sprachen: Nicht etwa nur Englisch, das die meisten bereits sprechen, sondern HTML, SQL und JavaScript. Unterrichtet von freiwilligen Branchenexperten, lernen sie Programmieren, um hoffentlich bald für Firmen in Glasgow, London oder irgendwo in der Welt zu arbeiten. Ein globaler digitaler Arbeitsmarkt macht es möglich.

Digitale Technologie und ihr Einfluss auf die Arbeitswelt wird oft mit den großen technologischen Umwälzungen der industriellen Revolution verglichen: Die Angst vor Automatisierung geht einher mit der Ausbeutung billiger Arbeitskraft und einem wachsenden Bedarf an technischer Expertise. Nur ist dieser Prozess im Jahr 2018 nicht an Massenarbeit in Fabrikhallen abzulesen, sondern an Computern, Smartphones und dem Internet.


Millionen Freischaffende
Die Bandbreite der Jobs reicht vom allgegenwärtigen Taxidienst Uber in die unsichtbare Welt von Millionen Freischaffenden die für Onlineplattformen wie Upwork oder Cloudfactory arbeiten. Diese Online-Billigarbeit auf Abruf kommt zunehmend aus Entwicklungsländern, immerhin hatten 2018 erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Internetzugang. Gleichzeitig war 2018 ein Jahr mit 65 Millionen Flüchtlingen weltweit, ein historischer Rekord. Die meisten haben nur beschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt oder finden aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und Schulungen einfach keinen Job.

Angesichts des globalen Angebots an digitaler Arbeit und der Massenarbeitslosigkeit von Flüchtlingen drängt sich also eine Frage auf: Bietet die digitalisierte Weltwirtschaft unter Umständen eine neue Chance für arbeitssuchende Flüchtlinge?

Die Flucht aus der Heimat bringt oft Verlust von Familienmitgliedern, Besitz und Heimat mit sich. Vergessen wird dabei der "Verlust einer Berufsidentität", sagt eine freiwillige Helferin beim Kurs in Glasgow. "Programmieren hilft ihnen, diese Identität wiederherzustellen oder eine neue zu entwickeln."

Bei Mohamed, der aus dem Sudan flüchtete, hat das bereits funktioniert. Vor einem Jahr zu Weihnachten hatte er noch im Warenhaus von Amazon Pakete sortiert. Dank des Programmierkurses hat er jetzt eine Teilzeitstelle in einem Projekt, das eine Smartphone-App für Flüchtlinge in London entwickelt. Sollten die Kursteilnehmer trotzdem keinen passenden Job vor Ort finden, bleibt immer noch der digitale Arbeitsmarkt im Netz. Heute können einfache digitale Arbeiten von fast überall auf der Welt erbracht werden. Das reicht von sogenannten Click-Farmen in Bangladesh zu Trainingszentren für künstliche Intelligenz in Zentralafrika.

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Dokument erstellt am 2018-06-13 16:07:35
Letzte Änderung am 2018-06-13 16:12:00


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