• vom 14.06.2018, 16:09 Uhr

International

Update: 14.06.2018, 18:57 Uhr

China

Flaute bei Chinas Investitionen




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  • Geringster Anstieg seit 1996 - Einzelhandel wächst so langsam wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Die chinesische Industrie produzierte weniger als erwartet. - © afp

Die chinesische Industrie produzierte weniger als erwartet. © afp

Peking. Die Investitionen in China wachsen so langsam wie seit 22 Jahren nicht mehr. Die Anlageinvestitionen - etwa in Fabriken und Maschinen - legten heuer bis Mai nur noch um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt mitteilte. Das ist der kleinste Zuwachs seit mindestens 1996. Zugleich produzierte die Industrie im Mai weniger als erwartet, während der Einzelhandelsumsatz mit 8,5 Prozent so langsam wuchs wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Die Daten "waren für chinesische Verhältnisse allesamt schockierend schwach", schrieben die Ökonomen der Rabobank in einer Studie. Die Zentralbank entschied sich angesichts der Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung dafür, ihre Zinsen für Interbankengeschäfte nicht anzutasten. Marktteilnehmer hatten mit einer leichten Erhöhung gerechnet, nachdem die US-Notenbank ihren Leitzins zuvor wie erwartet auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent angehoben hatte. Wird der Zinsabstand zu den USA zu groß, könnte Kapital aus der Volksrepublik abgezogen werden. "Sie haben die Zinsen nicht angehoben, um das wirtschaftliche Wachstum in Schwung zu halten", sagte Analyst Ken Cheung von der Mizuho Bank in Hongkong.


Das Statistikamt rechnet damit, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in der zweiten Jahreshälfte ein robustes Wachstum schaffen wird. Im Gesamtjahr sei das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 6,5 Prozent erreichbar, sagte Sprecher Mao Shengyong.

So sanken die Autoverkäufe im Mai zwar um ein Prozent - aber wohl vor allem deshalb, weil viele Käufer auf niedrigere Importzölle warteten, die ab 1. Juli gelten sollen und zu Preissenkungen führen dürften. Die Regierung strebt zudem eine Modernisierung der Wirtschaft an. Dazu sollen unrentable Betriebe geschlossen werden, was zumindest vorübergehend die Konjunktur dämpfen kann.

Damoklesschwert US-Strafzölle
Analysten erwarten zudem, dass die Exporte an Schwung verlieren. Grund sind drohende US-Strafzölle. US-Präsident Donald Trump wollte am Donnerstag mit seinen Handelsberatern über die möglichen Maßnahmen gegen China sprechen. Bei dem Treffen sollte es darum gehen, wann die Zölle auf Einfuhren im Wert von rund 50 Milliarden Dollar in Kraft gesetzt werden sollen.

Peking wiederum setzt nach Angaben des Außenministeriums weiter auf Gespräche, um eine Lösung im Handelsstreit zu finden. Ein Sprecher bekräftigte allerdings zugleich, dass die bisherigen Handelsvereinbarungen zwischen beiden Ländern hinfällig wären, sollten die USA Zölle gegen die Volksrepublik erheben.

Dennoch will Trump am heutigen Freitag eine überarbeitete Liste der betroffenen Waren vorlegen. Insidern zufolge dürfte die Aufstellung etwas kürzer ausfallen. Einige Güter würden gestrichen, andere, vor allem aus dem Technologiesektor, hinzugefügt.

Wann und ob der US-Präsident die Zölle in Kraft setzt, ist allerdings offen. Mehrere Interessensvertreter der Industrie sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dies könne bereits am Freitag geschehen. Es könne aber auch bis kommende Woche verschoben werden. Die USA werfen China vor, wiederholt unfaire Praktiken angewandt zu haben, um geistiges Eigentum der USA zu erhalten.

Deutsche Firmen betroffen
Doch nicht nur Peking bereiten die absehbaren neuen US-Zölle Kopfzerbrechen. Auch in Europa gibt es Sorgen, die etwa in Berlin geäußert werden. Denn die Maßnahmen gegen China werden nach Darstellung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) deutsche Firmen schädigen. Die wahrscheinliche Einführung der Strafzölle "trifft auch die deutsche Wirtschaft", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Die deutschen Firmen drohten damit in die Mühlen des Handelsstreits zwischen den USA und China zu geraten. "Unsere Unternehmen haben viele Niederlassungen und Engagements in beiden Ländern." Sie würden daher unter den angekündigten US-Zölle ebenso leiden wie unter den dann erwarteten Gegenmaßnahmen.

Europa sei daher gefordert, geschlossen zusammenzustehen und mit starken Partnern für offene Märkte und regelbasiertes Handeln einzutreten, befand Treier. Positive Zeichen gegen den aufkommenden Protektionismus seien wichtiger denn je.




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Dokument erstellt am 2018-06-14 16:16:24
Letzte Änderung am 2018-06-14 18:57:51


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