• vom 28.06.2018, 17:00 Uhr

International

Update: 28.06.2018, 17:27 Uhr

Konjunktur

Wachstum in Osteuropa bleibt stabil




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerhard Lechner

  • Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIIW blickt für die meisten Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas optimistischer in die Zukunft als zuletzt. Besonders der Westbalkan überrascht positiv. Der Konjunkturzenit ist aber überschritten.

Konjunkturprognose für Mittel- und Osteuropa

Konjunkturprognose für Mittel- und Osteuropa Konjunkturprognose für Mittel- und Osteuropa

Wien. Der Titel der Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) klang möglicherweise etwas alarmistisch: Mit "Konjunkturzenit überschritten" übertitelten die Wirtschaftsforscher in der Wiener Rahlgasse ihren Bericht zur Lage in den ost-, mittel- und südosteuropäischen Staaten.

Doch der Ökonom und Russland-Experte Vasily Astrov, der den Bericht vorstellte, beeilte sich zu versichern, dass von einer Krise keine Rede sein könne. "Das Wachstum bleibt im Großen und Ganzen robust. In manchen Teilen der Region gibt es sogar einen Aufschwung, vor allem am Westbalkan und auch in mehreren GUS-Ländern", sagte Astrov.


Ein wirklicher Wachstumseinbruch zeichnet sich laut Astrov in erster Linie in zwei Ländern ab: In Rumänien und der Türkei. Dort soll es heuer einen Rückgang von rund drei Prozentpunkten geben - freilich von einem relativ hohen Niveau aus. So ist die türkische Wirtschaft im vergangenen Jahr noch um 7,4 Prozent gewachsen. Davon kann heuer keine Rede mehr sein: Die WIIW-Wirtschaftsforscher erwarten nur noch ein Wachstum von 4,5 Prozent, das sich in den kommenden Jahren noch abschwächen dürfte - eine Entwicklung, die Astrov als das Ende einer "Überhitzung" der türkischen Wirtschaft auch begrüßt.

Generell bleibt die Investitionsdynamik in den sogenannten Mosoel, den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas, aber hoch. Zweistellige Wachstumsraten, wie sie mehrere EU-Länder der Region noch im Vorjahr verzeichnet hatten, sind laut dem WIIW in den kommenden Jahren aber nicht mehr zu erwarten. Gründe gibt es viele. So war 2017 das letzte Jahr, in dem die Staaten auf die EU-Mittel aus dem mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2007 bis 2013 zurückgreifen konnten. Ab heuer ist das nicht mehr möglich. Die Konjunkturabkühlung im Euroraum wirkt ebenfalls wachstumshemmend.

"Opfer ihres Wachstums"
Die geplante Kürzung von EU-Transfers ab 2021 verdüstert dann auch den langfristigen Ausblick der mittelosteuropäischen EU-Länder. "Alles deutet darauf hin, dass diese Länder wesentlich weniger Geld bekommen werden. Ob das 15, 20, 25 oder 30 Prozent weniger sein werden, ist jetzt noch völlig offen", sagte WIIW-Ökonom Stefan Richter. "Sie sind gewissermaßen Opfer ihres Wirtschaftswachstums."

Die Kürzung der Mittel könnte vor allem auch Ungarn treffen: Der Kurs der Landeswährung Forint ist am Donnerstag auf ein Rekordtief gefallen. Seit Jahresbeginn verlor der Forint sechs Prozent an Wert gegenüber dem Euro. Ungarn, dessen Wirtschaft sich seit Jahren dynamisch entwickelt, gehört zu den Schwellenländern mit der höchsten staatlichen und privaten Verschuldung. Ein großer Teil der Verbindlichkeiten lautet auf Devisen wie Dollar, Euro oder Schweizer Franken. Und vieles von den bisher erhaltenen EU-Mitteln hat das Land bereits ausgegeben - was das Wachstum zusätzlich dämpfen könnte.

Russland abgeschlagen
Einen überraschend positiven Ausblick zeichnen die WIIW-Ökonomen für die Länder des Westbalkans, die lange Zeit als Krisenländer verschrien waren. Laut Astrov werden sie für Investoren immer öfter als Alternative zu den stetig teurer werdenden mitteleuropäischen Ländern gesehen. Sie ziehen zunehmend ausländische Direktinvestitionen an. Dies auch wegen verstärkter Investitionen in die Infrastruktur auf dem Balkan, zum Teil auch aus China.

Die mit Abstand schlechtesten Wachstumsraten der Region weist Russland aus, im Gegensatz zu anderen GUS-Ländern wie etwa Weißrussland. Der Konflikt mit dem Westen, der Ressourcen verschlingt, wirkt sich hier ebenso aus wie die niedrigen Ölpreise.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-28 17:07:42
Letzte Änderung am 2018-06-28 17:27:39


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Gemeinden wollen Abgabendeal mit Airbnb
  2. Eurowings lässt die Fluggäste warten
  3. JETZT GRATIS ZUHAUSE TESTEN
    Testsieger Kobold VT300 überzeugt mit Saugleistung
  4. Preisverfall bei Metallen
  5. Kika/Leiner-Deal durch
Meistkommentiert
  1. "Freiheit" durch neue Arbeitszeiten
  2. "Der größte Handelskrieg der Geschichte"
  3. "Akrobatisch beeindruckende Einlage"
  4. Autos mit Dieselmotor verkaufen sich immer schlechter
  5. Gemeinden wollen Abgabendeal mit Airbnb

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung