• vom 05.07.2018, 21:05 Uhr

International

Update: 05.07.2018, 22:22 Uhr

Atomstreit

Der Iran kämpft um sein Ölgeschäft




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  • Revolutionsgarden drohen mit Blockade der Straße von Hormus. Trump macht Opec für steigende Benzinpreise verantwortlich.

Teheran/Washington. Im Atomstreit mit den USA ringt der Iran fieberhaft um seine Ölexporte. Der iranische Opec-Gouverneur Hossein Kasempur Ardebili warf US-Präsident Donald Trump am Donnerstag vor, mit Äußerungen über den Kurznachrichtendienst Twitter den Ölpreis in die Höhe getrieben zu haben. Allein das habe den wichtigen Rohstoff um zehn Dollar je Barrel (159 Liter) verteuert. "Bitte hören Sie mit dieser Methode auf", wurde Ardebili von der Nachrichtenagentur Shana zitiert.

Aus dem Iran kamen zuletzt aber auch viel schärfere Töne. So haben die iranischen Revolutionsgarden mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, falls die USA die Abnehmer iranischen Erdöls weiterhin massiv unter Druck setzen. Die Meerenge an der Ausfahrt aus dem Persischen Golf ist eines von sieben maritimen Nadelöhren, deren Sperrung die Ölversorgung weltweit ins Stocken bringen und die Preise in die Höhe treiben kann. Knapp ein Drittel des weltweit verschifften Öls und aller Ölprodukte passieren die Straße von Hormus.


Trump hatte zuvor die Opec für die steigenden Spritpreise verantwortlich gemacht und zum Gegensteuern aufgefordert. "Das Opec-Monopol muss sich daran erinnern, dass die Benzinpreise steigen und es wenig tut, um zu helfen", schrieb er auf Twitter. "Wenn überhaupt, dann treiben sie die Preise in die Höhe, während die Vereinigten Staaten viele der Mitglieder für sehr wenig Geld verteidigen", unterstrich Trump und forderte: "Jetzt die Preise reduzieren!"

Am Ölmarkt bewegten sich die Preise kaum: Nordseeöl verbilligte sich ein bisschen, US-Leichtöl verteuerte sich etwas. Doch Trump dürfte mit seinen Forderungen zumindest Eindruck auf Saudi-Arabien gemacht haben. So will die staatliche Erdölfirma Aramaco die Preise für große Abnehmerregionen reduzieren. So soll ein Barrel Leichtöl in den USA um 10 Cent billiger werden, für Asien und Europa beträgt die Reduktion 20 beziehungsweise 45 Cent.

Steigende Benzinpreise könnten dem Republikaner Trump vor den Kongresswahlen im November Kopfzerbrechen bereiten. Er will mit seinen Steuersenkungen und der Rücknahme von Regulierungen die US-Wirtschaft ankurbeln. Höhere Ölpreise könnten den Aufschwung aber dämpfen, da sie Haushalte und Firmen viel Geld kosten. "Dass es Trump selbst ist, der durch seine Iran-Politik die Preise steigen lässt, kommt dem US-Präsidenten nicht in den Sinn", konstatierten Analysten der Commerzbank. Trump hat das internationale Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und Sanktionen gegen die Islamische Republik wieder in Kraft gesetzt. Das betrifft auch das Ölgeschäft. Sollte es ihm gelingen, die gesamten Ölausfuhren des Iran zu stoppen, fehlten dem Markt täglich bis zu 2,5 Millionen Barrel, hieß es in der Analystenstudie. Die freien Kapazitäten der Opec reichten zwar gerade aus, um diese Ausfälle abzufedern, aber nicht bei zusätzlichen Störungen des Marktes.

Am Freitag treffen sich die fünf verbliebenen Unterzeichner des Atomabkommens zu Beratungen mit Vertretern des Iran in Wien. Bei den Gesprächen geht es darum, wie das Atomabkommen auch nach dem Austritt der USA am Leben erhalten werden kann. Irans Präsident Hassan Rouhani hat sich unterdessen unzufrieden mit einem diesbezüglichen EU-Angebot gezeigt. Das von Brüssel vorgelegte Paket mit Wirtschaftsmaßnahmen gehe nicht weit genug, sagte Rouhani am Donnerstag.




Schlagwörter

Atomstreit, Iran, USA, OPEC

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Dokument erstellt am 2018-07-05 18:10:48
Letzte Änderung am 2018-07-05 22:22:46



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