• vom 06.07.2018, 18:00 Uhr

International

Update: 07.07.2018, 08:45 Uhr

Strafzölle

Im Infight




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Von WZ-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk

  • Im Handelskrieg zwischen China und den USA hat die heiße Phase begonnen.




© M. Hirsch © M. Hirsch

Peking/Washington. Bisher waren es vor allem Maßnahmen mit hohem Symbolgehalt. Denn aus volkswirtschaftlicher Sicht waren die Ende Jänner von den USA verhängten Zölle auf Waschmaschinen und Solarpaneele für China ebenso verkraftbar wie die höheren Abgaben auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren knapp einen Monat später. Gleiches galt umgekehrt: Für eine Volkswirtschaft wie die USA, die im Jahr knapp 330 Milliarden Dollar erwirtschaftet, spielten die von Peking als Konter verhängten Strafzölle auf Schweinefleisch- und Obstimporte de facto keine Rolle.

Die Politik der gegenseitigen Nadelstiche ist allerdings vorbei. Stattdessen hat im Handelsstreit zwischen China und den USA am Freitag das begonnen, was in der Boxersprache Infight heißt: also jene Phase, in der die beide Kontrahenten ganz dicht aneinandergeraten und dabei versuchen, dem Gegenüber aus kurzer Distanz möglichst schmerzhafte Schläge zuzufügen. So sind auf der US-Seite am Freitag Zölle auf Waren mit einem jährlichen Handelsvolumen von gut 40 Milliarden Dollar in Kraft getreten. China wiederum hat noch am selben Tag Einfuhren mit einem ähnlich hohen Wert belastet. "Die USA haben den größten Handelskrieg in der Geschichte losgetreten", wetterte das Handelsministerium in Peking. "Wir sind nun gezwungen, die nötigen Gegenmaßnahmen einzuleiten."


Schon vor zwei Wochen hatte China eine Liste mit Warengruppen vorgelegt, auf die nun quasi automatisch höhere Zölle fällig werden. Betroffen sind unter anderem Elektroautos und Agrarprodukte: Die USA exportieren massenhaft Sojabohnen, Obst, Weizen und Wein nach China.

Zölle als Bumerang
Die US-Zölle wiederum betreffen vor allem chinesische Elektroprodukte. Denn Präsident Donald Trump will laut eigener Aussage vor allem Chinas Aufstieg zum Technikanbieter entgegenwirken und das Land für Ideendiebstahl in der Vergangenheit strafen. Bei der Begründung seiner Politik verhält sich Trump - wie so oft - widersprüchlich. Einerseits nennt er oft klassische Industriewaren wie Autos und Stahl, wenn er die Bedrohung durch China beschreibt. Zuletzt hat er sich jedoch vor allem auf die Initiative "Made in China 2025" eingeschossen, mit der China die eigene Industrie aufwerten und die Lebensverhältnisse im Land weiter verbessern will.

Tatsächlich hat ein erheblicher Techniktransfer in den vergangenen Jahrzehnten Chinas Entwicklung stark beschleunigt. Doch Ökonomen wie Wirtschaftsmanager sind sich einig, dass sich die Uhr nicht zurückdrehen lässt - und dass das auch nicht sinnvoll wäre, schließlich ist ein reiches China ein zahlungskräftigerer Wirtschaftspartner.

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Dokument erstellt am 2018-07-06 18:19:52
Letzte Änderung am 2018-07-07 08:45:07


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