Washington/Brüssel. (rs) Aus Sicht von Donald Trump war die Sache schon immer ganz einfach. "Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen", schrieb der US-Präsident bereits Monate vor der jüngsten Eskalation auf seinem Lieblings-Medium Twitter.

Tatsächlich dürfte es im Konflikt aber keinen Sieger geben. Und im aktuellen Zollstreit zwischen China und den USA dürften sogar jene verlieren, die gar nichts damit zu tun haben. Vor allem die Exportnation Deutschland sorgt sich, dass die eigenen Unternehmen zu den großen Leidtragenden des Streits gehören könnten.

Viele große deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren milliardenschwere Investitionen in den USA und China getätigt und sind nun unmittelbar von den jetzt deutlich höheren Zöllen betroffen. So produzieren Daimler und BMW in ihren Werken in den USA Autos, die dann nach China verschifft werden. Bei BMW stammt etwa jedes fünfte Auto, das auf dem weltgrößten Automarkt verkauft wird, aus den Vereinigten Staaten.

Auf die nun von 15 auf 40 Prozent gestiegenen Zölle für Einfuhren nach China wollen die Münchner mit Preiserhöhungen reagieren. Doch auf einem Teil der Kosten dürfte BMW wohl ähnlich wie Daimler sitzen bleiben. Daimler hatte bereits im Juni eine Gewinnwarnung herausgegeben und diese damit begründet, dass die höheren chinesischen Zölle nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden könnten.

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags spricht etwa von "katastrophalen" strukturellen Auswirkungen. Mittlerweile seien die Wertschöpfungsketten "weltweit so eng miteinander verzahnt, dass man gar nicht weiß, was wirklich passiert, wenn man irgendwo die Zollschraube dreht".

Auch positive Effekte

Aus Sicht einiger Ökonomen hat die jüngste Eskalation aber nicht nur negative Auswirkungen auf Europa. "Wenn der Konflikt nur zwischen den USA und China ist, dürfte es ganz kleine messbare positive Effekte geben. Es könnte einen größeren Anreiz für Washington und Peking geben, Produkte aus Europa zu kaufen", sagt Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien in Wien.

Die negativen Effekte, wie etwa, dass China versuchen könnte, noch mehr Produkte in Europa abzusetzen, wären den meisten Berechnungen zufolge kleiner als die positiven Auswirkungen. Ersteres wird Chinas Regierungschef Li Keqiang allerdings am Samstag in der bulgarischen Hauptstadt Sofia mit seinen Amtskollegen aus Mittel- und Osteuropas vorantreiben. Es geht bei diesem siebenten Treffen, das alljährlich stattfindet, um Kooperation bei Infrastruktur, Energie, Technologie, Landwirtschaft und Tourismus. Das Forum soll laut Bulgariens Regierung die "offene und pragmatische Zusammenarbeit" vertiefen.

Nicht zuletzt könnte der Handelsstreit auch dazu führen, dass sich Europa mehr von den USA emanzipiert. So will die EU bereits am Mittwoch ein Freihandelsabkommen mit Japan unterzeichnen, durch das 99 Prozent der bestehenden Zölle wegfallen sollen. Ein ähnlicher Vertrag mit Kanada ist bereits vorläufig in Kraft und auch mit Singapur, Mexiko und Vietnam arbeitet die EU an entsprechenden Vereinbarungen. Dass Trump dabei wesentlich zu einer Beschleunigung beigetragen hat, räumt man dabei in Brüssel gerne ein.