• vom 11.07.2018, 18:57 Uhr

International

Update: 11.07.2018, 21:30 Uhr

Handelskrieg

Jetzt schon 200 Milliarden Dollar?




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  • Im Handelsstreit droht Washington China mit Zöllen auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Vergangene Woche sind die Zölle für Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft getreten.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Washington. (wak/reu/afp/apa) Die nächste Runde im Handelsstreit ist eröffnet. Die USA verschärfen den Zollstreit mit China. US-Präsident Donald Trump droht nun auf weitere Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar (171 Milliarden Euro) zusätzliche Zölle zu erheben, wie aus einer Liste der Regierung in Washington hervorgeht.

Auf diese Waren sollen zusätzlich zehn Prozent bei der Einfuhr in die USA fällig werden - darunter Nahrungsmittel wie Soja, Kohle und Unterhaltungselektronik. Also Sparten, die nicht mehr nur noch symbolischen Charakter haben, sondern wichtige Wirtschaftssektoren empfindlich treffen.

Vergangene Woche sind erst die US-Zölle auf chinesische Produkte im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft getreten. Angekündigt waren schon seit April Zölle im Wert von 50 Milliarden Dollar. China konterte daraufhin ebenfalls mit der Erstellung einer Liste von US-Importen im Wert von 50 Milliarden Dollar, die mit Sonderzöllen belegt werden könnten. Soweit die Drohungen.

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© ap/Chinatopix 120704china online© ap/Chinatopix

Das erboste Trump deutlich. Die US-Strafzoll-Liste ist nun mit den Produkten im Wert von 200 Milliarden Dollar deutlich angeschwollen. Das erhöht die Angst vor einem veritablen Handelskrieg. Bisher hatte man gehofft, Trumps Drohgebärde, chinesische Produkte im Wert von sogar 500 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen zu belegen, sei ein bloßes Muskelspiel. 500 Milliarden Dollar entspricht etwa dem Volumen der US-Importe aus China im vergangenen Jahr.

Verhandeln oder klagen

Regierungskreisen zufolge sollen die Zölle im Ausmaß von 200 Milliarden aber erst in zwei Monaten greifen: Zuvor gebe es die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, also Kompromisse zu finden.

China kritisierte die US-Pläne als inakzeptabel. Die Volksrepublik sei schockiert und werde darauf reagieren müssen, erklärte das Handelsministerium am Mittwoch. "Die großangelegte gegenseitige Anhebung von Zöllen zwischen China und den USA wird den US-chinesischen Handel unweigerlich zerstören", sagte der chinesische Vize-Handelsminister Li Chenggang.

Die US-Politik "greift in den Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung ein" und "beschädigt die Weltwirtschaftsordnung", sagte Li weiter. Er sprach von einer "chaotischen Zeit im internationalen Handel". Unternehmen in beiden Ländern würden Verluste einfahren. "Es gibt keinen Gewinner in einem Handelskrieg", sagte Li.

Die Regierung in Peking werde umgehend eine Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einreichen. China rufe zudem die Welt auf, sich gemeinsam gegen Handelsschikanen zu stellen und die Freihandelsregeln zu schützen.

Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer verteidigte die US-Linie. Die Regierung habe China mehr als ein Jahr lang aufgefordert, eine unfaire Handelspolitik zu beenden, den eigenen Markt zu öffnen und sich dem Wettbewerb zu stellen. Statt auf diese Sorgen einzugehen, übe China Vergeltung: "Für einen solchen Schritt gibt es keine Rechtfertigung."

China kann auch nicht mehr im gleichen Umfang zurückschlagen, da es im vorigen Jahr "nur" Güter und Dienstleistungen aus den USA im Wert von insgesamt rund 150 Milliarden Dollar eingeführt habe.

Bremse für globales Wachstum

Die Eskalationsspirale setzte weltweit den Börsen zu. Sollte Trump die Drohung wahr machen, wären rund die Hälfte der in die USA ausgeführten chinesischen Güter betroffen, so Ökonom Rajiv Biswas vom Forschungsinstitut IHS Markit. Commerzbank-Experte Eugen Weinberg warnt zudem davor, dass sich der Handelskrieg auf die Güterwirtschaft auswirkt und das globale Wachstum bremst. In Trumps eigener Partei regt sich bereits Kritik an den Plänen. Sie seien "leichtsinnig" und nicht zielgerichtet, sagte der republikanische Kongressabgeordnete Orrin Hatch, der im Senat dem Finanzausschuss vorsitzt. Auch die US-Handelskammer beklagte die Entscheidung. "Zölle sind schlicht und ergreifend Steuern." Die neuen Abgaben verteuerten Waren für Familien, Bauern, Arbeiter und Firmen.

Der Chef des chinesischen Staatsfonds CIC, Tu Guangshao, erklärte in Paris, Peking werde verstärkt in Europa investieren. Zur Situation mit den USA sagte er: "Keiner von uns hofft, dass es zu einem Handelskrieg kommt, aber er scheint unvermeidlich."





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Dokument erstellt am 2018-07-11 18:16:57
Letzte Änderung am 2018-07-11 21:30:58


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