• vom 13.07.2018, 06:30 Uhr

International

Update: 13.07.2018, 07:46 Uhr

Handelskrieg

Preisverfall bei Metallen




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  • Seit seinem Hoch im Juni ist der Kupferpreis um mehr als elf Prozent gesunken - Grund: Die Angst vor einem Handelskrieg.

An den Rohstoffmärkten kamen die Preise für Rohöl und Kupfer ins Rutschen. - © Adobe Stock

An den Rohstoffmärkten kamen die Preise für Rohöl und Kupfer ins Rutschen. © Adobe Stock



Frankfurt. (red) Der Preis für Kupfer fällt und fällt - doch das gilt nicht nur für das in der Elektronikindustrie und der Bauwirtschaft begehrte Metall, sondern auch für andere Industriemetalle wie Aluminium oder Zink. Marktbeobachter werten den Preisverfall als Warnsignal für eine abklingende Konjunktur. Seit seinem Hoch Anfang Juni ist der Preis des rötlich-goldenen Metalls Kupfer um mehr als elf Prozent gesunken. Der Terminkontrakt für eine Tonne Kupfer, fällig in drei Monaten, notierte zuletzt bei 6181 US-Dollar. Anfang Juni musste noch mehr als 7200 Dollar pro Tonne Kupfer bezahlt werden.

Als Grund für den jähen Preissturz nennen Experten den Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die Analysten von Wood Mackenzie schreiben in ihrem Juni-Bericht: "Die Diskussion in der US-Regierung über Zölle, insbesondere gegen China, sorgt für Verunsicherung. Das spiegelt auch der Kupfermarkt wider." Dabei sei der Kupfer-Preis noch Anfang Juni durch einen schwachen Dollar, die Schließung einer Kupfer-Schmelze im indischen Tamil Nadu und Lohnverhandlungen beim Minenbetreiber BHP Escondida in Chile auf einem Vier-Jahres-Hoch bei dem wichtigen Metall gelegen.



Auf der Nachfrage-Seite wird mit einem schwächer wachsenden Interesse an Kupfer gerechnet - vor allem die Industrieproduktion in China käme ins Stocken. Experten des Analyse-Unternehmens IHS Markit prognostizieren, dass sich eine Abkühlung der Produktion in der Schwerindustrie und auf den Immobilienmärkten in China auf den Kupferpreis auswirken wird. Zudem werde die Kreditvergabe in China nun restriktiver gehandhabt, was zu einer weiteren Abkühlung der Konjunktur führen wird.


Vorboten des Handelskriegs



In den USA sei die Nachfrage nach Kupfer zwar relativ hoch, doch das könne den "strukturellen Wandel, der sich derzeit in China abspielt, nicht auffangen", schreiben die IHS-Markit-Experten. Und auch Europa könne den Preis nicht stützen: Denn in der Eurozone wachse die Industrieproduktion derzeit nur mehr schwach, es bestehe das Risiko, dass das Wachstum in den nächsten Monaten sogar weiter zurückgeht.

Die in Düsseldorf erscheinende Wirtschaftstageszeitung "Handelsblatt" zitierte erst vor wenigen Tagen den Analysten der Commerzbank, Daniel Briesemann, für den der jüngste Preisverfall bei Kupfer kein Grund zur Besorgnis ist: "Ein dreiwöchiger Preisrückgang ist noch kein Warnsignal für die Märkte. Im Gegenteil: Wir sehen gerade eine notwendige Korrektur."



Die Londoner "Financial Times" sieht allerdings einen Zusammenhang beim Preisverfall wichtiger Industriemetalle auf den Rohstoffmärkten und der wichtigsten Minen-Titel auf den Aktienmärkten mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China.

Die jüngsten US-Ankündigungen von Strafzöllen auf Importe in der Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar haben die Weltmärkte erzittern lassen. Auf den Aktienmärkten mussten vor allem exportorientierte Industriesektoren Haare lassen, aber die Minenindustrie und die Industriemetall-Märkte waren besonders betroffen. In China fiel der CSI-Börsenindex, der vor allem in Shanghai und Shenzhen gehandelte Blue-Chip-Titel umfasst, um rund 1,7 Prozent, der Renminbi, die chinesische Währung landete am Wochen-Tiefststand gegenüber dem Dollar. Auch in Europa waren vor allem Unternehmen, für die das China-Geschäft von hoher Bedeutung ist, besonders betroffen. Aber auch die Energiemärkte gaben nach.

Es scheint, als ob die Märkte sich nun auf den Handelskrieg einstellen würden. Die "Financial Times" zitiert den Ökonomen Paul Ashworth vom Makroökonomie-Analyse-Unternehmen Capital Economics mit Sitz in London: "Es gibt niemanden mehr im Kongress oder in der US-Administration, der den protektionistischen Ideen von US-Präsident Donald Trump Einhalt gebieten würde - zudem schrecken andere Länder vor dem Handelskrieg nicht zurück."




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Dokument erstellt am 2018-07-12 17:22:59
Letzte Änderung am 2018-07-13 07:46:28


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