• vom 30.07.2018, 19:01 Uhr

International

Update: 30.07.2018, 19:26 Uhr

Landwirtschaft

Keine rasche Hilfe nach Dürreschäden für Bauern in Deutschland




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  • Interessenvertretung fordert eine Milliarde Euro Zuschuss - Ministerium will zuerst Erntebericht abwarten.

Geringere Erträge werden bei mehreren Feldfrüchten erwartet. - © afp

Geringere Erträge werden bei mehreren Feldfrüchten erwartet. © afp

Berlin. Die unter der anhaltenden Dürre leidenden deutschen Landwirte können nicht mit Soforthilfen von der Regierung rechnen. Vor der Entscheidung über Unterstützung müsse der komplette Erntebericht Ende August abgewartet werden, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Berlin. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, forderte Hilfen im Volumen von einer Milliarde Euro. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist vorerst kein Ende der Trockenheit in Kombination mit hochsommerlichen Temperaturen in Teilen Nord- und Ostdeutschlands in Sicht.

Am heutigen Dienstag werde es eine erste Bestandsaufnahme über die Lage in der Landwirtschaft bei einem Arbeitstreffen von Vertretern von Bund und Ländern geben, sagte die Ministeriumssprecherin. Vor allem erst nach dem Erntebericht "sind wir aussagefähig", erklärte sie. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will am Mittwoch ihre Kabinettskollegen über die Lage in den Dürregebieten unterrichten.

"Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte Rukwied den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zunächst müsse der Notstand erklärt werden, damit eine gesetzliche Grundlage für die Hilfen gegeben sei. Unterstützt werden sollen nach DBV-Vorstellung die Betriebe, deren Ernten mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegen. Außerdem forderte Rukwied eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, mit der die Bauern für schwierige Jahre vorsorgen könnten.

Die für Landwirtschaft zuständige Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, forderte eine rasche Entscheidung darüber, ob ein Notstand vorliegt und damit die Voraussetzungen für staatliche Hilfen gegeben seien. Vor allem kleinen und mittleren Betrieben gehe die Luft aus, warnte sie: "Ihnen fehlt Liquidität."

Winzer profitieren

Die SPD hingegen warnte vor Hilfen für Bauern als wirtschaftspolitischem Präzedenzfall. "Moderne Landwirtschaft begreift sich als Unternehmer in unserem Land", sagte der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Spiering, den Funke-Zeitungen.

Wegen der Dürre rechnet der DBV etwa mit einem Rückgang von 18 Prozent bei der Ernte von Wintergerste im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei anderen Feldfrüchten werden deutlich geringere Erträge erwartet. Halter von Rindern und Schweinen kämpfen zudem mit Ausfällen bei der Maisernte und müssen deswegen Futter dazukaufen. In manchen Betrieben ist es deswegen zu Notschlachtungen gekommen.

Sollten die Ernteeinbußen so hoch wie befürchtet ausfallen, könnten auch einige Lebensmittel wegen knapperer Rohstoffe teurer werden. So fordern die Milchbauern angesichts der geringeren Menge an Futtermitteln bereits deutlich höhere Milchpreise.

Es gibt in der deutschen Landwirtschaft aber auch Profiteure des heißen Wetters. So startet die Weinlese heuer schon Anfang der kommenden Woche - und damit so früh wie nie zuvor. "Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus", teilte das Deutsche Weininstitut mit. Die bisherige Rekordmarke hatten die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Lesebeginn jeweils am 8. August gehalten.





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Dokument erstellt am 2018-07-30 17:50:18
Letzte Änderung am 2018-07-30 19:26:49


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