• vom 02.08.2018, 17:29 Uhr

International


Neue Sonderzölle

Neue Runde im Handelskrieg




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  • US-Präsident Trump plant weitere, höhere Sonderzölle gegen China - deutsche Firmen in den beiden Streitländern spüren die Folgen bereits.

Für in China produzierte US-Flaggen und Banner für die geplante Wiederwahl 2020 muss Trump nun wohl auch mehr bezahlen. - © apa/afp

Für in China produzierte US-Flaggen und Banner für die geplante Wiederwahl 2020 muss Trump nun wohl auch mehr bezahlen. © apa/afp

Washington/Peking. (ast) Donald Trump macht das Handelsdefizit seines Landes immer noch fuchsteufelswild. Der US-Präsident setzt deshalb auf eine Erhöhung des Drucks auf China. So hat Trump angekündigt, eine neue Runde an Sonderzöllen auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar zu verhängen - statt bisher zehn sollen es außerdem 25 Prozent sein.

Betroffen wären beim neuesten Schlagabtausch Lebensmittel, Chemieprodukte und Konsumgüter, wie etwa Hundefutter, Möbel, Autoreifen, Baseball-Handschuhe und Kosmetik. Die Zölle treten aber erst in einigen Wochen in Kraft, nachdem eine Verhandlungsfrist abgelaufen ist. China wird nach eigenen Angaben auf die Handelsbeschränkungen mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren.


Erst Anfang Juli hatte die US-Regierung Zölle von 25 Prozent auf chinesische Importwaren im Wert von 34 Milliarden Dollar verhängt. China antwortete mit Zöllen auf US-Produkte im gleichen Ausmaß. Darauf Trump hatte damals bereits gedroht, chinesische Güter für etwa 500 Milliarden Dollar mit Zöllen zu belegen - was etwa den gesamten US-Einfuhren aus China entspricht.

Welches Defizit eigentlich?
Nicht nur bei Experten und US-Wirtschaftsverbänden stoßen Trumps Maßnahmen auf Kritik. Sie befürchten, dass der Handelsstreit das US-Wirtschaftswachstum belasten werde, und zweifeln am Sinn und Zweck der Aktionen, um das Handelsdefizit zu reduzieren. Denn hohe Zollsätze würden lediglich dazu führen, dass zwar chinesische Produkte aus dem US-Markt gedrängt werden, dafür aber wohl durch Waren aus anderen Ländern ersetzt werden, sagt Derek Scissors, Chinaexperte beim American Enterprise Institute in Washington der Nachrichtenagentur Reuters.

Viele Volkswirte geben außerdem zu bedenken, dass das US-Handelsdefizit mit China viel kleiner ist als offiziell angenommen - stellt man es in einen größeren Kontext. Denn wenn man berücksichtige, dass viele US-Firmen direkt in China produzieren und dort Waren verkaufen, schrumpfe das Defizit gewaltig, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf Ökonomen der Deutschen Bank in New York.

Rechnet man auch hinein, dass die Produkte, die aus der Volksrepublik in die USA strömen, auch von japanischen, koreanischen und anderen Firmen stammen, die China lediglich als Produktionsstandort nutzen, so ergibt sich ein US-Defizit von nur noch 30 Milliarden Dollar. Das ist nicht einmal ein Zehntel des offiziellen Werts. Dass die USA ein führender Exporteur von Dienstleistungen sind, wird außerdem zusätzlich ausgeblendet.

Eurozone ist betroffen
Defizit hin oder her - der Streit der beiden größten Volkswirtschaften der Welt belastet bereits viele Unternehmen aus anderen Ländern. So beklagen 41 Prozent der deutschen Firmen in China höhere Kosten bei ihren Exporten in die USA, 46 Prozent spürten negative Folgen bei ihren Importen aus den USA, so eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Deutsche Firmen in den USA ginge es noch schlechter: 57 Prozent von ihnen seien beim Export beeinträchtigt, drei Viertel auf der Importseite. Ein gewichtiger Teil der Befragten ziehe Produktionsverlagerungen in Erwägung. Geopolitisch könne man sich auf Allianzen und internationale Vereinbarungen nicht mehr verlassen, sagt Siemens-Chef Joe Kaeser.

Auch die Konjunktur der Eurozone leidet bereits unter den verschlechterten Exporterwartungen: Im Frühjahr wuchs die Wirtschaft so langsam wie seit zwei Jahren nicht mehr, laut dem Münchner Ifo-Institut fällt das Barometer für das Wirtschaftsklima und erstmals seit 2012 prophezeien Experten stagnierende Investitionen für die Eurozone.




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Dokument erstellt am 2018-08-02 17:38:24


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