• vom 03.08.2018, 19:31 Uhr

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Update: 17.08.2018, 09:08 Uhr

Technologie

Digitale Monokulturen




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Der Datenschatz soll Gafa auch die Vormachtstellung beim nächsten Technologiesprung sichern und sie nicht wie einst IBM oder Nokia vom Thron fegen. Mit den Daten werden neue Erkenntnisse, Güter oder Dienstleistungen erschlossen. Die Grenzen zwischen den Branchen verwischen, Gafa reichen von Zahlungssystemen über Telekom-Anbieter bis hin zum Einzelhandel, der insbesondere durch Amazons Logistikkette im Umbruch ist.

Zu den Großtrends der kommenden Jahre gehört das "Internet der Dinge", dazu zählen jene Produkte, die mit Sensoren ausgestattet und dem Internet verbunden sind. Unter diesen wird intelligenten Lautsprechern die beste Zukunft vorausgesagt. Alleine von 2017 bis Ende dieses Jahres steigt die Zahl der "Smart Speakers" um 145 Prozent auf 100 Millionen Stück, so die Analysten von Canalys. Und fast schon selbstredend marschieren Google (Assistant), Apple (Siri) und Amazon (Alexa) vorneweg.

Neben "Big Data" und dem "Internet der Dinge" ist die Automatisierung der dritte große Trend. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden immer mehr Entscheidungen von Maschinen übernommen. "Wenn ich mich für etwas entscheiden müsste, wären das autonome Fahrzeuge. Das wird schneller kommen, als wir glauben", tippt Casper Klynge. Er ist erster Digital-Botschafter eines Staates und seit 2017 für Dänemark im Silicon Valley stationiert. Im Wettlauf mit den traditionellen Autobauern schickt sich Alphabets Tochter Waymo bereits an, auch diesen Markt umzuformen.

Die große Gefahr dahinter: Dass intransparent bleibt, nach welcher Logik diese selbstlernenden Maschinen ihre Entscheidungen treffen. Im Straßenverkehr könnten zwar Unfälle durch selbstfahrende Autos reduziert werden. Doch wie entscheidet das System, wenn ein Unfall unvermeidlich ist und Leben bedroht sind: Verschont es das Kind und lässt das Auto in den alten Mann krachen, weil er eine geringere Lebenserwartung hat?

"Es ist wahnsinnig, dass wir Atomwaffen regulieren, nicht aber künstliche Intelligenz", sagt Elon Musk. Diese Warnung erregte Aufsehen, gehört der Tesla-Gründer doch einer Branche an, die sonst allergisch auf Regelwerke reagiert. Die Gafa-Größen wollen ungestört neue Wachstumsmärkte erschließen. Unter US-Präsident Barack Obama erreichte der Personaltausch zwischen Washington und dem Silicon Valley neue Höhen: Laut der Campaign for Accountability wechselten 197 Mitarbeiter der Regierung alleine zu Alphabet und dessen Partnerfirmen, im Gegenzug wirkten 61 Alphabet-Mitarbeiter in der Obama-Administration. Entsprechend lasch war die Gesetzgebung.

Zwar pflegen das Valley und Donald Trump Distanz, mit Amazon-Boss Jeff Bezos verbindet den Mann im Weißen Haus nichts bis auf die tiefe gegenseitige Abneigung. Aber angesichts der von Trump angedrohten Handelskriege schont der nunmehrige Präsident die wertvollsten Unternehmen der Vereinigten Staaten. Im März wurde gar der "Cloud Act" erlassen, laut dem die US-Behörden von Cloud-Providern die Herausgabe sämtlicher Daten einer Person oder eines Unternehmens verlangen dürfen.

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Dokument erstellt am 2018-08-03 17:56:23
Letzte Änderung am 2018-08-17 09:08:13


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